Maximilian Wöber und die Linksverteidiger

Maximilian Wöber und die Linksverteidiger Foto: © GEPA
 

"Zweistellig möchte ich schon werden", setzt sich Maximilian Wöber im Gespräch mit LAOLA1 zum Ziel.

Gemeint ist die Zahl der Assists, die er in dieser Saison liefern möchte. Der erste ist ihm in der Bundesliga mit seiner Kopfball-Vorlage in Hartberg bereits gelungen.

Dass er ein Auge für die Mitspieler besitzt, hat der Wiener auch schon sowohl in der ersten ÖFB-Cup-Runde als auch im Juni mit dem Nationalteam gegen Kroatien bewiesen. In beiden Partien gelangen ihm je zwei Assists.

"Aber natürlich müssen wir erst einmal schauen, wie viele Spiele ich wirklich als Linksverteidiger absolviere", schränkt Wöber ein.

So fix abgemacht erscheint das nämlich noch nicht, auch wenn die Tendenz eine eindeutige ist.

Wöber spielte in der noch jungen Saison in allen Pflichtspielen links hinten. In Hartberg nahm erstmals in der Liga Neuzugang Strahinja Pavlovic seinen bisherigen Platz an der Seite von Oumar Solet in der Innenverteidigung ein.

Der Wohlfühl-Faktor

"Das Trainer-Team weiß, dass ich sowohl links als auch innen spielen kann. Ich fühle mich auf beiden Positionen extrem wohl. Außenverteidiger habe ich auch schon bei Ajax und Sevilla gespielt. Ich werde dort spielen, wo ich am meisten gebraucht werde. Wenn das im Moment links ist, ist es links. Wenn es innen ist, ist es innen", sagt Wöber.

Er würde das derzeit von Spiel zu Spiel angehen. Wenngleich mit der Perspektive Nationalteam die Spielpraxis als Salzburger Linksverteidiger natürlich Gold wert sein kann.

Vor dem Amtsantritt von Teamchef Ralf Rangnick konnte man die Variante mit Wöber links hinten fraglos im Hinterkopf haben, so richtig auf der Rechnung hatte sie aber wohl kaum jemand.

Auf der Pole-Position

Aktuell scheint der 24-Jährige jedoch auf der Pole-Position zu stehen. Rangnick sieht Österreichs einstmals ranghöchsten Linksverteidiger David Alaba in der Mitte.

Dort wäre er wiederum ein direkter Konkurrent von Wöber, während sich links kaum jemand so richtig aufdrängt. Auf dieser Position könnte der Salzburg-Kicker seine Nationalteam-Karriere wohl leichter so richtig in Schwung bringen.

Beim letzten Lehrgang betonte Wöber, wie viel Spaß es ihm machen würde, als Linksverteidiger seine offensive Vergangenheit aus Jugendzeiten aufleben lassen zu können.

Wie im Karussell

Ob dies so gesehen mit Salzburg angesichts von Spielstil und Überlegenheit in der Liga noch lustiger sei?

Lazaro wurde in Dänemark als Linksverteidiger probiert
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"So würde ich das nicht ausdrücken. Denn mit unserem Gegenpressing sind es trotzdem immer extrem weite Wege, wir verteidigen extrem viel nach vorne. Wenn der Gegner dann lang spielt, ist es ein bisschen wie im Karussell. Du läufst nach vorne, du läufst nach hinten, du läufst nach vorne. Das ist enorm intensiv."

"Im Nationalteam ist es ein bisschen kontrollierter", so Wöber weiter, "bei uns wird es teilweise schon ein bisschen zu wild. Aber Spaß macht es natürlich, vorne mit dabei und auch in der Box drinnen zu sein. Ich bin mir sicher, dass ich für den einen oder anderen Assist gut bin."

Ulmer nicht "abgelöst"

Stand jetzt hat Wöber bei den "Bullen" Urgestein Andreas Ulmer abgelöst. Wobei ihm diese Deutung gar nicht gefällt:

"Andi und ich verstehen uns super, und ich würde auch nicht sagen, dass ich ihn 'abgelöst' habe. Wer Andi kennt, weiß, was für ein Top-Typ und unglaublicher Fußballer er ist. Ich bin mir sicher, dass wir Andi noch oft genug links draußen sehen werden."

Ulmer ist, auch wenn seine Nationalteam-Laufbahn erst im Karriere-Herbst Fahrt aufnahm, einer der bestimmenden Linksverteidiger der jüngeren ÖFB-Vergangenheit. Mit Christian Fuchs und Markus Suttner gehör(t)en weitere Routiniers seiner Generation an.

Diverse Experimente

In Sachen Nachfolge ist schon länger zu erahnen, dass sich zu wenige Erben aufdrängen.

Auch deshalb probierte Rangnick schon in seinem ersten Lehrgang einiges. Neben Wöber durften auch Marco Friedl und Valentino Lazaro links hinten ran.

Letzterer ist zwar ein Allrounder, kennt andere Positionen aber fraglos besser. Friedl ist ein ähnlicher Fall wie Wöber. Es ist kein unbekanntes Terrain, bei Werder spielt er jedoch zumeist im Abwehrzentrum.

Auch Hannes Wolf ist eine Idee als Linksverteidiger. Bei Mönchengladbach wurde der Steirer nach seiner Rückkehr aus Swansea ebenfalls dort getestet. Der Beweis, dass das Experiment funktioniert, ist noch nicht erbracht.

Wer könnte sich aufdrängen?

Und sonst? Maximilian Ullmann klopfte bereits an die Nationalteam-Tür, ist nun jedoch mit Venezia in die Serie B abgestiegen.

Aus selbiger ist David Schnegg (Sturm) in die Bundesliga zurückgekehrt, wo er genauso wie Routinier Rene Renner (LASK) oder die beiden noch etwas jüngeren Rapidler Jonas Auer und Martin Moormann erst nachhaltig beweisen muss, dass er für höhere internationale Aufgaben bereit ist.

Im Teenager-Alter gibt es sehr wohl Hoffnungsträger.

Spannende Youngster

Der Aufstieg von El Sheiwi wurde gebremst
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Ziad El Sheiwi hat bei Austria Wien sehr gute Ansätze gezeigt, ehe ihn vergangenen Dezember ein Kreuzbandriss stoppte. Dem Vernehmen nach beschäftigte sich bereits der FC Red Bull Salzburg sehr intensiv mit ihm, der 18-Jährige verlängerte jedoch vor wenigen Wochen bis Juni 2026 am Verteilerkreis.

Der 19-jährige Adis Jasic schaffte beim WAC seinen Durchbruch zwar als Rechtsverteidiger, er kam vereinzelt aber auch links zum Einsatz.

Marko Dijakovic hätte, ehe er verletzungsbedingt zurückgeworfen wurde, bei Rapid in der Vorsaison vielleicht jene Beförderung hinlegen können, die schließlich Moormann gelungen ist.

Die Lieferinger

Beim FC Liefering versucht sich mit Lukas Ibertsberger der Sohn von Robert Ibertsberger und der Neffe des früheren Nationalteam-Linksverteidigers Andreas Ibertsberger für eine Beförderung aufzudrängen.

Selbige blieb Benjamin Böckle im Sommer verwehrt. Er versucht sich nun bei Fortuna Düsseldorf in der 2. deutschen Bundesliga aufzudrängen.

Gute Karten scheint bei der Salzburger Filiale in der Admiral 2. Liga der erst 17-jährige Mario Pejazic zu haben, aber altersgemäß hat auch er noch einen weiten Weg vor sich.

Die rot-weiß-rote Linksverteidiger-Situation der Gegenwart bewegt sich also irgendwo im Bereich zwischen Experimenten und einem weiten Feld an Aktien - und der Chance für Wöber, sowohl in Salzburg als auch im ÖFB-Team die Pole-Position zu nutzen.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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