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1. EM-Titel! England: "Daraus sind Träume gemacht"

Die "Lionesses" befinden sich nach dem Gewinn der Heim-EURO im Jubeltaumel:

1. EM-Titel! England:

Das Finale der Women's EURO 2022 war wirklich nichts für schwache Nerven.

England und Deutschland gingen nach einem ungeschlagenen Turnier mit zwei Missionen in das Endspiel im ausverkauften Wembley-Stadion: Die "Lionesses" wollten vor den eigenen Fans das Sommermärchen wahr machen und den allerersten EM-Titel holen, der Rekordchampion seine Trophäensammlung um einen neunten Pokal erweitern.

Am Ende eines dramatischen Abends reckten die englischen Frauen nach einem packenden 2:1-Erfolg nach Verlängerung (Spielbericht >>>) den silbernen Pokal in den Londoner Himmel. Damit schafften sie etwas, dass den Männern 2021 nicht gelang: Die Europameisterschaft im eigenen Land zu gewinnen.

Wiegmans perfekte Bilanz bis zum EM-Titel

"Es ist unglaublich. Die Spielerinnen haben den Sieg unbedingt gewollt und haben jeden Tag daran gearbeitet, sich zu verbessern. Es war ein sehr enges Match, aber wir haben es gewonnen", konnte es Teamchefin Sarina Wiegman gar nicht fassen, die zweite EURO in Folge gewonnen zu haben.

Schon 2017 führte die 52-jährige Niederländerin ihr Heimatland ebenfalls als Gastgeber zum erstmaligen EM-Gewinn. Vier Jahre später wurde sie vom englischen Fußball-Verband zur neuen Teamchefin ernannt und sah sich einer hohen Erwartungshaltung gegenüber.

Denn schon damals wurde alles auf diese Europameisterschaft ausgerichtet, doch Wiegman und ihre Spielerinnen spielten sich in diesem einen Jahr in einen absoluten Rausch. 20 Pflichtspiele wurden unter der Leitung der Niederländerin bestritten, alle 20 Partien wurden gewonnen - so auch das EM-Finale.

Siegtorschützin hat langen Leidensweg hinter sich

Dafür verantwortlich zeichnete die erst 24-jährige Chloe Kelly, die DFB-Torhüterin Merle Frohms in der 110. Spielminute per Abstauber überwinden konnte. "Oh mein Gott, es ist unfassbar", war die Spielerin von Manchester City sprachlos.

"Das sind die Sachen, aus denen Träume gemacht sind. Ich bedanke mich bei allen, die mitgeholfen haben bei meiner Rehabilitation", sprach Kelly ihren elf Monate langen Leidensweg nach einem Kreuzbandriss im Mai 2021 an. "Ich habe immer daran geglaubt, dass ich hier dabei sein kann, aber dann auch noch den Siegtreffer zu erzielen - einfach nur wow."

Auch die mit Deutschlands Alexandra Popp geteilte Top-Torschützin (Anm: jeweils sechs Tore) und zur Spielerin des Turniers gewählte Beth Mead konnte ihre Emotionen nicht in Worte fassen: "Ich kann es nicht glauben. Manchmal bringt dich der Fußball auf den Boden, aber dann zurückzuschlagen ist das Beste, was man machen kann. Ich bin noch immer schockiert, kann nicht glauben, dass wir tatsächlich den EM-Titel gewonnen haben. Ich bin so stolz auf das gesamte Team."

"Fußball ist ein einfaches Spiel. 22 Frauen jagen für 90 Minuten dem Ball nach und am Ende gewinnt tatsächlich England."

Gary Lineker

"Wir haben immer wieder darüber gesprochen, und am Ende haben wir es geschafft. Ich war noch nie so stolz in meinem Leben, deshalb werde ich jede einzelne Sekunde genießen. Das Vermächtnis dieses Turniers und dieses Teams ist eine Veränderung in der Gesellschaft. Wir haben alle zusammengebracht", hat England laut Kapitänin Leah Williamson auch ein großes und zugleich wichtiges Zeichen gesetzt.

Das Fußball-Legende Gary Lineker sogar dazu veranlasste, seinen weltberühmten Spruch umzuändern: "Fußball ist ein einfaches Spiel. 22 Frauen jagen für 90 Minuten dem Ball nach und am Ende gewinnt tatsächlich England."

"Es muss ja einen Verlierer geben"

Und während das englische Team zu Neil Diamonds "Sweet Caroline" abfeierte, vergoss Deutschland bittere Tränen.

"Es tut einfach nur weh", sagte Svenja Huth, die die kurzfristig ausgefallene Alexandra Popp als Kapitänin ersetzte. Wir haben 120 Minuten alles gegeben und uns auch durch den 0:1-Rückstand nicht beirren lassen. Wir haben uns leider nicht belohnt. Das müssen wir erst einmal sacken lassen."

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, die seit 2018 im Amt ist, war schon gefasster: "Es muss ja einen Verlierer geben. Wir waren nah dran nach dem 1:1. Das zweite Tor fällt dann megaunglücklich. Tore entscheiden die Spiele, und da hat England eins mehr gemacht."

"Wir haben immer gesagt, wir wollen als Mannschaft agieren, als Mannschaft gewinnen oder verlieren. In der Halbzeit haben wir mehr Mut eingefordert. Wir haben bis zum Ende alles reingeworfen, jede Spielerin hat alles gegeben. Wir machen jetzt einfach weiter", richtet die 54-Jährige den Blick schon auf die Qualifikation zur WM 2023 in Australien und Neuseeland.


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