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Eintracht: Gelingt Glasner die Bestätigung?

Vor seinem zweiten Jahr bei Eintracht Frankfurt stellen sich einige Fragen.

Eintracht: Gelingt Glasner die Bestätigung?

Europa-League-Champion gegen Serienmeister.

Die deutsche Bundesliga startet am Freitag (20:30 Uhr im LIVE-Ticker) mit dem Kracher Eintracht Frankfurt gegen FC Bayern München in die neue Saison.

Für Oliver Glasner ist es gleichzeitig die erste Gelegenheit zur Bestätigung beziehungsweise zur Verbesserung. Denn bei aller Euphorie rund um den europäischen Triumphzug fiel seine erste Frankfurter Bundesliga-Saison nicht zu seiner Zufriedenheit aus.

Nach dem Rücktritt von Martin Hinteregger und dem Abschied von Stefan Ilsanker beschränkt sich der rot-weiß-rote Frankfurt-Anteil in dieser Spielzeit auf die Betreuerbank (neben Glasner auch seine Co-Trainer Michael Angerschmid und Ronald Brunmayr).

Dafür dürfen sie einen Weltmeister-Macher coachen. Vieles drehte sich bei der Eintracht in den vergangenen Wochen um Mario Götze, dessen Treffer Deutschland 2014 den WM-Titel sicherte.

Und natürlich um die Champions League. Langweilig dürfte also auch die kommende Frankfurter Saison nicht werden. Vor allem gilt es folgende fünf Fragen zu beantworten:

GELINGT GLASNER DIE BESTÄTIGUNG?

GELINGT GLASNER DIE BESTÄTIGUNG?
Glasner bejubelt den Europa-League-Triumph

Wer einen Verein wie Eintracht Frankfurt nach 42 Jahren wieder zu einem Europacup-Sieg führt und auf diesem Weg für diverse unvergessliche Momente verantwortlich zeichnet, dürfte bei seinem Arbeitgeber jede Menge Kredit genießen.

Bei den Anhängern sowieso - nicht nur wegen der magischen Nacht von Sevilla. Der 47-Jährige setzte schon zuvor auf Fan-Nähe - und danach erst recht, wie seine Entwicklung zum Mallorca-Feierbiest zeigte.

Die größte Veränderung in seinem Leben nach dem Final-Erfolg gegen die Glasgow Rangers sei, dass er nur noch mit Hut auf den Ballermann gehen könne, scherzt der Oberösterreicher entsprechend.

Sich auf den emotionalen Erfolgslauf durch Europa auszuruhen, ist keinesfalls Glasners Ding. Während es kaum ein Interview gibt, in dem er nicht auf seinen großen "Vorgänger" Ernst Happel angesprochen wird, rattert sein Hirn, wie man die Erlebnisse der Vorsaison zumindest bestätigen und im Idealfall auch übertrumpfen kann.

Erstens, weil dies ohnehin sein Antrieb ist. Zweitens wohl auch, weil Glasner die Vergänglichkeit des Ruhms bewusst ist. So meinte er etwa unlängst in einem Interview mit dem "Kicker":

"Ich mache mir keine Illusionen. Während meiner Trainerausbildung war ich in Nyon bei der UEFA. Auf der ersten Folie wurde die durchschnittliche Amtszeit eines Trainers gezeigt: 1,2 Jahre. 56 Prozent aller Trainer finden nach dem ersten keinen zweiten Job mehr. Es stand die provokante Frage im Raum: 'Wollen Sie sich das antun?' Claudio Ranieri wurde 2016 mit Leicester City Meister und Welttrainer des Jahres, im Februar 2017 entließ man ihn. Du musst dich immer wieder neu beweisen und erfolgreich sein, dann kannst du lange im Job bleiben."

Gerade bei nicht konstant von Erfolg verwöhnten Klubs ist die Gefahr, dass nach einem derartigen emotionalen Hoch ein Tief folgt, größer - siehe Leicester.

Dass Glasners erstes Jahr trotz allem genug Luft nach oben gelassen hat, könnte so gesehen helfen.


FOLGT WIEDER EIN SPRUNG IM ZWEITEN JAHR?

FOLGT WIEDER EIN SPRUNG IM ZWEITEN JAHR?
Im zweiten Glasner-Jahr entkam der LASK der Zweitklassigkeit

Anknüpfend an die Frage der Bestätigung ist es für Glasner eigentlich ungewohnt, mit einer derartigen Euphorie als Rückenwind in seine zweite Saison bei einem Arbeitgeber zu starten.

Bislang fuhr er stets "erst" im zweiten Jahr die Ernte für die Aufbauarbeit im ersten ein.

Beim LASK geriet seine Debüt-Saison einst gar zur Enttäuschung, weil man 2015/16 im Duell um den Aufstieg in die Bundesliga gegenüber dem SKN St. Pölten das Nachsehen hatte.

In Linz bewahrte man jedoch die Geduld, der Rest der Geschichte ist bekannt: Der Sprung in die höchste Spielklasse wurde in der zweiten Saison nachgeholt, dort ging es in der Folge hoch bis auf Rang zwei.

Den Vize-Meistertitel nützte Glasner 2019 zum Sprung in die deutsche Bundesliga. Beim VfL Wolfsburg startete er mit einem respektablen siebenten Platz, ehe im zweiten Jahr mit Platz vier sogar die Qualifikation für die Champions League gelang.

Auf die Teilnahme an der Königsklasse verzichtete der Oberösterreicher nach atmosphärischen Störungen mit Sportchef Jörg Schmadtke zu Gunsten des Wechsels nach Frankfurt.

Ein großer Umbruch blieb bei der Eintracht nun aus, der Kader wurde gut ergänzt. Es spricht also einiges dafür, dass Glasners Handschrift auch in der Liga besser zum Tragen kommt.

Dass der rot-weiß-rote Trainer-Legionär sein zweites Eintracht-Jahr in Angriff nimmt, stand nie zur Disposition. An Angeboten dürfte es nach einem Europa-League-Sieg nicht gemangelt haben, die Mission in Hessen ist jedoch noch nicht beendet:

"Das war überhaupt kein Thema, auch nicht, als ich mit meinem Berater beim Golfen war. Wir sind dabei, mit der Eintracht etwas aufzubauen, und noch lange nicht fertig."

WO BESTEHT IN DER LIGA VERBESSERUNGSBEDARF?

WO BESTEHT IN DER LIGA VERBESSERUNGSBEDARF?
Glasner will in allen Bereichen Fortschritte sehen

Wo konkret Glasner seine Mannschaft im zweiten Jahr weiterentwickeln möchte, ist für ihn schnell und einfach erklärt: "In allen Bereichen."

Dies begründet sich nicht nur mit dem Umstand, keinen Stillstand zulassen zu wollen, sondern vor allem aus der Notwendigkeit, gerade auf Liga-Ebene einen deutlichen Sprung machen zu müssen.

Dass spätestens im Frühjahr die zahlreichen europäischen Dienstreisen den Fokus auf die heimische Kost ein wenig leiden ließen, mag verständlich sein. Dennoch gilt es die Doppelbelastung diesmal besser zu bewältigen.

Zur Erinnerung: im Sommer 2021 fiel schon der Start ziemlich holprig aus. Einem 2:5 in Dortmund folgten in der Liga fünf Remis en suite, ehe erst Anfang Oktober der erste Sieg gelang - selbiger aber immerhin beim FC Bayern.

Die Bilanz am Ende stand für biederen Durchschnitt: Platz elf mit 42 Punkten. In der Rückrunde holten nur die beiden Absteiger Bielefeld und Fürth sowie Fast-Absteiger Hertha BSC weniger Punkte als die 15 Zähler der Eintracht.

Nur vier Heimsiege in 17 Versuchen offenbaren ein Manko, an dem man relativ leicht ansetzen können sollte - gerade vor diesem enthusiastischen Publikum.

Auch 45 erzielte Tore sind kein Wert, mit dem man zwangsläufig um die europäischen Plätze mitspielt.

WAS IST VON DEN NEUZUGÄNGEN ZU ERWARTEN?

WAS IST VON DEN NEUZUGÄNGEN ZU ERWARTEN?
Frankfurts Königs-Transfer: Mario Götze

Genau wie sich Glasner als Glücksfall für die Eintracht erwies, trifft selbiges auch auf Markus Krösche als Sportvorstand zu. Beide schlossen die Lücken ihrer Vorgänger Adi Hütter und Fredi Bobic nahtlos.

Für ihre zweite gemeinsame Saison basteln die beiden sportlich Verantwortlichen offenkundig vor allem daran, die Torausbeute voranzutreiben.

Rafael Borré bringt im Angriff fraglos seine Vorzüge mit, die Bilanz von elf Toren in 44 Pflichtspielen ist aber natürlich ausbaufähig.

Gerade in der Liga vermisste man in der Vorsaison Tor-Garanten, wie es in jüngster Vergangenheit Andre Silva, Luka Jovic oder Sebastien Haller waren.

Entsprechend reagierte man: Lucas Alario hat mit 42 Bundesliga-Toren in fünf Jahren Bayer Leverkusen nachgewiesen, dass er weiß, wo das Tor steht, auch wenn ihm nie der ganz große Durchbruch gelang.

Randal Kolo Muani kommt ablösefrei vom FC Nantes mit der Empfehlung von zwölf Saison-Toren in der Ligue 1.

Und dann gibt es ja noch den Königs-Transfer. Mario Götze.

Dass der 30-Jährige das Potenzial hat, das Offensivspiel der Eintracht zu beleben, steht außer Frage. Inzwischen im Routinier-Alter angelangt, wird ihm zudem viel am Beweis liegen, dass seine Karriere spätestens in der zweiten Dortmund-Phase zu Unrecht in die falsche Richtung abgebogen ist.

In den vergangenen beiden Saisonen fand Götze beim PSV Eindhoven unter Roger Schmidt wieder den nötigen Spaß am Fußball - und den wiederum kennt Glasner bekanntlich nicht so schlecht, schließlich arbeitete er einst in Salzburg für den Deutschen.

So sehr sich Glasner bemüht, ihm den Druck zu nehmen, in Frankfurt sind derzeit viele - vielleicht sogar zu viele - Augen auf Götze gerichtet.

Dies nimmt aber immerhin andere Neuzugänge ein wenig aus dem Rampenlicht. Nachgebessert wurde jedenfalls auch in der Defensive, etwa mit dem kroatischen Innenverteidiger Hrvoje Smolcic.

Und mit Jerome Onguéné will auch ein in Österreich bekannter Name bei der Eintracht durchstarten, der 24-Jährige kam ablösefrei vom FC Red Bull Salzburg.

Ob der Abschied von Martin Hinteregger jedoch tatsächlich aufgefangen werden kann, ist zumindest fraglich.

WAS GEHT IN DER CHAMPIONS LEAGUE?

WAS GEHT IN DER CHAMPIONS LEAGUE?
Träume von neuen europäischen Heldentaten

Wer will es den Frankfurter Fans verübeln, dass sie von weiteren magischen Nächten quer durch Europa träumen? Diesmal halt eine Etage höher in der Champions League.

Als Europa-League-Gewinner ist die Eintracht Fixstarter in der Königsklasse und wird praktischerweise auch noch aus Lostopf eins gezogen.

Dass die bessere Balance zwischen Bundesliga und Europacup die größte Herausforderung dieser Spielzeit wird, sollte inzwischen verstanden sein. Der in der Breite aufgerüstete Kader sollte dabei helfen.

Genau wie die europäische Erfahrung. Wer in der Europa League den FC Barcelona eliminiert, muss sich auch in der Champions League vor diversen Teilnehmern nicht verstecken. Auch die Rückmeldung, etwa von den katalanischen Gegenspielern, ein besonders schwierig zu bespielendes Team zu sein, sollte Selbstvertrauen geben.

Glasner gibt jedenfalls die K.o.-Phase als klares Ziel aus. "Sollten wir ins Achtelfinale einziehen, werden wir nicht die weiße Fahne schwingen. Falls wir Dritter werden und in die Playoffs der Europa League kommen, wollen wir da weiterkommen", stellt der 47-Jährige im "Kicker" klar.

Wichtiger Nachsatz: "Das Olympische Motto - dabei sein ist alles - wird es bei uns nie geben."


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