Kommentar: Foda? Ein klassisches "Ja, aber..."

Kommentar: Foda? Ein klassisches Foto: © GEPA
 

Haben Franco Fodas Kritiker nun Pause?

Nö, ganz bestimmt nicht. Dafür ist im Länderspieljahr 2021 unterm Strich zu viel schiefgegangen.

Der Deutsche ist ein polarisierender Teamchef. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass Siege gegen Israel und Moldawien einen Meinungsumschwung bei seinen Gegnern auslösen – dafür haben zu viele von ihnen ihr finales Urteil über Foda bereits getroffen und vertreten es bisweilen auch emotional.

An Argumenten mangelt es nicht. In einem derartigen Stimmungstief hat sich das Nationalteam schon lange nicht mehr befunden, das Ambiente des Moldawien-Spiels werden die 1800 Zeitzeugen im Klagenfurter Stadion womöglich nicht so schnell vergessen.

Genauso wie der Kritiker-Pause-Spruch, ein für seine Verhältnisse fast schon kecker Sager in der EURO-Euphorie, bleibt von Fodas Länderspieljahr 2021 jedoch auch eine Fähigkeit als Überlebenskünstler.

Abgesänge auf den Teamchef wurden in diesem Jahr genügend verfasst, zahlreiche "Endspiele" für den 55-Jährigen ausgerufen – er hat sie offenbar alle gewonnen, schließlich bleibt er zumindest bis März 2022 im Amt.

Dann warten wieder Endspiele. Diesmal dann wirklich, nämlich jene um die lange ersehnte WM-Teilnahme. Und sicherlich auch wieder um Fodas Job.

Sollte ÖFB-Präsident Gerhard Milletich sein Amt mit der Intention angetreten sein, Foda doch eher früher als später loszuwerden, hat er das richtige Zeitfenster eindeutig versäumt. Selbiges wäre im Oktober rund um seine Bestellung zum ÖFB-Boss recht weit offen gewesen.

Dass es nach zwei November-Siegen wieder geschlossen ist, lässt sich indes nachvollziehen.

Einer nach den Matches gegen Israel oder Moldau noch benommener am Boden liegenden Mannschaft mit neuen Inputs, sprich einem neuen Trainerstab, auf die Beine und womöglich nach Katar zu verhelfen, wäre ein logischer Gedanke gewesen. Hoffen kann man auf den Trainereffekt immer.

Die Mannschaft liegt jedoch nicht benommen am Boden. Seine Spieler haben Foda in diesen beiden Matches nicht hängen lassen, sich spürbar bemüht und gleichzeitig wieder Selbstvertrauen getankt.

In dieser Situation einen neuen Trainerstab in die WM-Playoffs zu schicken, wäre zumindest ein Risiko. Schließlich könnte der neue Teamchef beispielsweise gar nicht wissen, wie jeder seiner Schützlinge in dieser und jener Situation reagiert. Spieler-Sorgen über das Standing beim neuen Trainer wären aufgelegt. Die jeweiligen Abläufe müssten sich genauso erst einspielen, wie die taktischen Vorstellungen des Coaches.

Kurzum: Es hat schon Sinn, wenn man auf Nationalteam-Ebene neuen Teamchefs mitunter auch mal Phasen des Aufbaus gönnt.

In selbiger sollte sich Österreich in der Theorie keineswegs befinden. In der Praxis hat wenigstens die EURO angedeutet, was möglich ist, wenn die "volle Kapelle" anwesend ist.

So lange man den Gegner nicht kennt, sind Prognosen schwierig, aber in Bestbesetzung ist es Österreich zuzutrauen, vielen Gegnern Schmerzen zu bereiten. Mit Foda.

Diese Chance sollten ihm nun auch seine Kritiker geben. Gegen ein WM-Teilnahme wird sich hoffentlich ohnehin niemand wehren.

Gleichzeitig hat Foda nun während einer langen Winterpause die Chance, über den einen oder anderen Input seiner Kritiker nachzudenken. Schließlich wurde auch bei der EURO letztlich jenes mutige Auftreten belohnt, das viele immer und immer wieder gefordert hatten.

Ist es also unterm Strich richtig, dass Foda Teamchef bleibt? Irgendwie ist es ein klassisches "Ja, aber…"

Ein Ping-Pong der Argumente für und gegen ihn.

Rational lässt es sich begründen. Das Gefühl, dass im ÖFB nach diesem Herbst ein umfassenderer Neustart kein Fehler wäre (und der würde nicht nur den Teamchef betreffen), um die aktuelle und lähmende Lethargie hinter sich zu lassen, ließe sich aber wohl nur durch einen sensationellen März samt Qualifikation für die WM vertreiben.

Wir bitten um selbigen.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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