Louis Schaub: Warum eigentlich meist "nur" Joker?

Louis Schaub: Warum eigentlich meist
 

Es gibt so Tage, da gelingt alles.

"Das hab ich mir auch gedacht, heute habe ich sogar Kopfball-Duelle gewonnen", grinst Louis Schaub.

Mit seinem Doppelpack drehte er die Partie gegen Israel und avancierte beim 4:2-Sieg Österreichs zum Matchwinner.

Dass der Köln-Legionär nach dem Schlusspfiff gut lachen hatte, versteht sich von selbst. Wenngleich es irgendwie auch ein bittersüßes Lachen ist.

Denn wieder einmal schlug er "nur" als Wechselspieler zu. Diese Rolle hat er derzeit vor allem bei seinem Arbeitgeber in der deutschen Bundesliga abonniert.

Auch im Nationalteam gibt es nur selten eine Chance von Anfang an. Dafür stach er zum wiederholten Male als Joker.

Sieben seiner nunmehr acht A-Team-Tor erzielte er nach einer Einwechslung, dies gilt auch für alle drei Nationalteam-Assists - darunter die Vorlage für Sasa Kalajdzic im EURO-Achtelfinale gegen Italien.

"Klar wäre es schöner, wenn ich von Anfang an spielen würde", gibt Schaub im "ORF" zu, "aber es ist natürlich auch eine Qualität, wenn man rein kommt und dem Spiel noch etwas geben kann. Wenn man das Spiel noch mal drehen kann, ist das für einen Spieler ein schönes Gefühl."

Warum eigentlich nicht öfter in der ÖFB-Startelf?

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)


Von Beginn an durfte der 26-Jährige im Rahmen dieser WM-Quali im März gegen die Färöer sowie im September in Moldawien und gegen Schottland spielen.

Eine klare Einser-Lösung am rechten Flügel gibt es im ÖFB-Team derzeit nicht wirklich. Auch Schaub schaffte es bislang nicht, sich hier auf die Pole-Position zu stellen.

Aber warum eigentlich nicht? Was fehlt ihm in den Augen von Teamchef Franco Foda zum regelmäßigen Startelf-Spieler?

"Er hat einfach das Problem, dass er bei seinem Verein in Köln nicht regelmäßig zum Einsatz kommt. Da ist es nicht so einfach, wenn man dann von Anfang an spielt", sagt der ÖFB-Coach, der ankündigt, sich für das Moldawien-Spiel zumindest zu überlegen, ob er Schaub beginnen lässt.

Foda: Deshalb mag ich ihn

"Er ist reingekommen und man hat gespürt, dass er hungrig war. Er war einfach gierig, im Spiel etwas zu bewegen. Das zeichnet ihn aus."

Franco Foda

Um Fodas Aussage ein wenig zu präzisieren: Der Mittelfeldspieler spielt in Köln durchaus regelmäßig, aber eben nie von Beginn an. In neun von elf Liga-Spielen kam er in dieser Saison zum Einsatz, das allerdings ausnahmslos als Einwechselspieler.

Und auch beim ÖFB betont Foda: "Wir haben ja auch die Statistiken, dass Louis ein Spieler ist, der immer wieder Tore vorbereitet oder selbst erzielt, wenn er eingewechselt wird."

Wie eben auch gegen Israel: "Er ist reingekommen und man hat gespürt, dass er hungrig war. Er war einfach gierig, im Spiel etwas zu bewegen. Das zeichnet ihn aus. Deshalb mag ich ihn auch und habe ihn einberufen, obwohl er wenige Spiele hat."

In Köln ist es genauso

Musste Schaub zuvor immer wieder Geduld beweisen, kam er im Herbst zumindest in jedem Länderspiel zum Einsatz. Mit seinem Doppelpack sollte er in Fodas Hackordnung weiter gestiegen sein.

"Der Trainer sagt mir oft, ich soll so spielen, wie ich trainiere, weil ich im Training auch immer Gas gebe. Ich freue mich natürlich, wenn ich mich auch ab und zu mit einem Spiel belohne."

Schaub gehört nicht zu jenen Spielern, die verbal in der Öffentlichkeit allzu intensiv Werbung in eigener Sache betreiben. Dafür hat er mannschaftsintern durchaus Sympathisanten.

Etwa Christopher Trimmel: "Louis macht das irrsinnig gut  - nicht nur im Nationalteam, sondern auch in Köln. Ich verfolge ihn, weil er ein guter Freund ist. In Köln ist es ja genauso: Jedes Mal, wenn er reinkommt, gibt es einen frischen Schwung. Gegen Israel ist ihm wirklich alles gelungen, und das freut mich irrsinnig für ihn, das hat er sich verdient."

Freundschaft mit Bachmann seit Kindestagen

"Louis und ich kennen uns seit 2004. Wir sind mehr oder weniger miteinander aufgewachsen. Aufgrund dessen, was wir schon als kleine Kinder gemeinsam erlebt haben, freut es mich irrsinnig, dass ich mit Louis gemeinsam im Nationalteam sein kann."

Daniel Bachmann

Richtig ins Schwärmen gerät Daniel Bachmann, was viel mit der gemeinsamen Geschichte der beiden zu tun hat. Der ÖFB-Goalie und Schaub waren schon als Kinder gemeinsam im Admira-Nachwuchs tätig.

"Louis und ich kennen uns seit 2004. Wir sind mehr oder weniger miteinander aufgewachsen. Aufgrund dessen, was wir schon als kleine Kinder gemeinsam erlebt haben, freut es mich irrsinnig, dass ich mit Louis gemeinsam im Nationalteam sein kann. Es macht mich stolz, mit einem langjährigen Freund hier spielen zu dürfen", macht Bachmann aus seinen Emotionen kein Geheimnis.

Seiner Meinung nach sei Schaub kein Spieler, der nur von der Bank aus funktioniert: "Über seine Qualität gibt es grundlegend nichts zu diskutieren. Jeder kann ab und zu ein Formtief haben. Nur als er gegen Italien reingekommen ist, hat er das Spiel komplett an sich gezogen, und diesmal wieder. Ich freue mich extrem für Louis, dass er wieder mal zwei so wichtige Tore fürs Team gemacht hat."

Ein Spieler für wichtige Tore

Es war übrigens tatsächlich fast jeder Treffer des Ex-Rapidlers im ÖFB-Dress ein entscheidender (Siegtreffer gegen Serbien, Moldau und Uruguay, Ausgleich zum 1:1-Endstand gegen Georgien) oder mitentscheidender (Tor zum 1:1 beim 2:1 gegen Nordirland). Ergebniskosmetik bedeutete lediglich der Treffer zum 4:0-Endstand in Luxemburg.

Sein einziges Nationalteam-Tor bei einem Einsatz von Beginn an gelang ihm 2017 im Abschiedsspiel von Marcel Koller übrigens gegen Moldawien.

Vielleicht ist der damalige 1:0-Siegtreffer ja ein gutes Omen für Montag.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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