Formel E: Die Aussteiger beeindrucken

Formel E: Die Aussteiger beeindrucken Foto: © getty
 

Berlin. Vor neun Monaten, drei Tage nach dem Finale der vergangenen Saison auf dem Tempelhof-Gelände, bestätigte Mercedes den Ausstieg aus der Formel E zu Saisonende 2022 (wieder Mitte August, aber diesmal in Seoul).

Das Doppel in Berlin 2022 sah Mercedes als dominierende Mannschaft. Titelverteidiger Nyck de Vries gelang am Sonntag der zweite Saisonsieg nach dem Auftakt in Saudi-Arabien, dementsprechend erleichtert war der Niederländer. "Die letzten Rennen waren Sch… für uns, diesmal passte wieder alles." Weil er mit sensationellem Start Polesetter Edoardo Mortara (Venturi), den Samstag-Sieger, innen ausbremste und die Führung nicht mehr abgab.

Sein Teamkollege Stoffel Vandoorne behauptete mit zwei dritten Rängen die WM-Führung, der Vorsprung auf den Genfer Mortara schrumpfte allerdings auf 12 Punkte. Da mit Ex-Meister Lucas di Grassi der zweite Venturi-Fahrer Vierter wurde, waren die ersten Vier mit Mercedes-Antriebsstrang erfolgreich.

Für die Konkurrenz von DS Techeetah, Jaguar und Porsche brachte Berlin nur wenig Grund zur Freude: Jean-Éric Vergne wurde für DS Samstag Zweiter, André Lotterer für Porsche Vierter. Am Sonntag war die Ausbeute noch bescheidener, so dass Mercedes in der Team-WM mit 28 Punkten Vorsprung auf Venturi, 39 auf DS und 65 auf Jaguar zum neuen Schauplatz Jakarta (4. Juni) anreisen wird.

Aufschlüsse zur Saison-Halbzeit

In Berlin war Saison-Halbzeit in der ABB Formel E-WM. Dazu gab es bereits Aufschlüsse zur Zukunft mit dem neuen Auto der Gen 3 ab Saison neun (2023):

- McLaren bestätigte die Übernahme des aktuellen Titelverteidigers Mercedes EQ. Ian James und der Großteil der Mannschaft, die im Herbst des Vorjahres von Baden-Württemberg nach Brackley (GBR) verlegt wurde, werden übernommen. Bei den Fahrern allerdings soll es Veränderungen geben. Dass Stoffel Vandoorne nach dem Finale in Seoul (als neuer Meister?) zu Penske wechseln wird, das eine Verbindung mit DS eingeht, ist noch ein Gerücht. McLaren dürfte jedenfalls den Antrieb von Nissan erhalten.

- Avalanche Andretti wird wie erwartet ab Saison neun mit dem Antriebsstrang von Porsche (statt bisher BMW) unterwegs sein.

- Aus Rokit Venturi wird das neue Maserati-Team, für das Edo Mortara und voraussichtlich Antonio Giovinazzi fahren sollen, mit Antrieb der Stellantis-Konzernschwester DS.

- Abt kommt als Privatteam zurück und wird wohl die E-Power von Mahindra beziehen, jedenfalls wurde Geschäftsführer Thomas Biermaier in Berlin primär in der Box der Inder bei Teamchef Dilbagh Gill gesehen.

- Porsche hat sich bisher nur für zwei Jahre des nächsten Zyklus verpflichtet, das wäre bis Ende 2024. "Wir evaluieren unsere Aktivitäten ständig. Das heißt, es kann auch sein, dass wir die gesamten drei Jahre der nächsten Periode dabei sind", schwächte Projektleiter Florian Modlinger die Vermutungen ab, Porsche steige vor 2025 aus der FE wegen der Vorbereitung der F1-Rückkehr (2026) aus.

- Kostenbeschränkung auch bei den Elektrischen: Die Formel E implementiert ab 2023 ein Ausgabenlimit. Für Privatteams 13 Millionen Euro pro Jahr, für Hersteller 13 plus zwei Mal 12,5 Millionen (für zwei Jahre also 25 Mio.). Neuer Reifenpartner wird Hankook, der Michelin ablöst.

- Auch die FE trifft die politische Weltlage: "Die Logistikkosten haben sich seit Saison fünf (2019, Anm.) verdoppelt", bestätigt CEO James Reigle. "Dazu kommen Probleme für die Hersteller und bei Zulieferern." Doch insgesamt käme die FE noch glimpflich davon, meint sein Stellvertreter und FE-Mitbegründer Alberto Longo.

- Nicht dabei, aber vielleicht: In Monaco gab es kürzlich bei Rennen sechs ein Treffen der FE-Verantwortlichen mit FIA und Herstellern. Reigle sagte gegenüber LAOLA1: "Fünf waren dabei, die derzeit nicht in unserer Serie aktiv sind." Und er ergänzte: "Die wollten von den anderen nicht gesehen werden, deshalb hatten wir Follow-up-Meetings mit ihnen. Alle hatten Interesse, in einigen Jahren dabei zu sein."

- Der in Vancouver wegen Problemen mit Grundbesitzern und Genehmigungen abgesagte (auf 2023 verschobene) E-Prix wird zum gleichen Termin (2. Juli) in Marrakesch stattfinden. Longo dazu: "Die einzige praktisch rennfertige Strecke, die ein Rennen in sieben Wochen aufstellen kann." Zum Abschluss verkündete in Berlin die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) die Vertragsverlängerung mit der FE bis 2024. Berlin ist die einzige Stadt, die seit der ersten Saison 2014/15 jedes Jahr Rennschauplatz war.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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