FIA-Chef Ben Sulayem: "Das Beste für den Sport"

FIA-Chef Ben Sulayem: Foto: © GEPA
 

Er schaut meist grimmig drein, doch er ist weltgewandt und freundlich gegenüber jedem Gesprächspartner.

Zwar abgeschirmt von seinen "Adjutanten", vor allem vor Journalisten-Anfragen, willigt der im Dezember 2021 neu gewählte Präsident des Internationalen Automobilverbandes (FIA), Mohammed Ben Sulayem, dennoch sofort zu einem Gespräch ein.

Der 60-Jährige aus Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten hat mit seinem Langzeit-Vorgänger Jean Todt etwas gemeinsam: Sie waren beide Rallye-Profis. Ben Sulayem, der Wirtschaft in Washington und Nordirland studierte, war 14 Mal(!) Mittelost-Rallyechampion und fuhr von 1988 bis 1995 auch WM-Läufe (Ford, Toyota).

Seit 2008 war er FIA-Vizepräsident (Sport) und Mitglied des Weltrats.

Bei seinem ersten Besuch in Österreich in seiner neuen Rolle hatte Mohammed Ben Sulayem kaum Zeit, die schöne Landschaft zu genießen. Zu sehr eilte er auf dem Red Bull Ring von einem Meeting zum nächsten.

Und bedankte sich nach unserem Gespräch herzlich, als ich ihm erzählt hatte, dass ich seinen Sieg in der Dubai Rally 1991 live miterleben durfte und der Oberösterreicher Raphael Sperrer damals einen Audi 200 auf Platz drei pilotierte.

LAOLA1: Wie sehen Sie den Zustand der Formel 1, die aktuellen Maßnahmen zum Budgetlimit (nachlesen: F1 hebt Budgetgrenze an>>>) und den Regeln ab 2026?

Mohammed Ben Sulayem: Da müssen wir zwei Seiten getrennt betrachten. Auf der kommerziellen Seite ist die Formel 1 sehr gut aufgestellt. Aber diese Seite muss von den Regelmachern unterstützt werden. In diesem Sinn hatten wir Freitag hier auf dem Red Bull Ring ein sehr effizientes Meeting der F1-Kommission.

LAOLA1: Waren danach alle zufrieden?

Ben Sulayem: Es wäre nicht gut, wenn nachher alle aufgebracht wären. Aber alle glücklich zu machen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Aber wenn wenige ein wenig unzufrieden sind, die Mehrheit aber happy ist, dann ist es schon okay. Ich verstehe, dass jeder das Beste für sich will, ich will das Beste für den Sport. Die FIA ist der Regulator, ich muss als Präsident auch die Mitgliedsverbände repräsentieren.

LAOLA1: Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem kommerziellen Rechteinhaber?

Ben Sulayem: Ausgezeichnet. Wir arbeiten Hand in Hand. Mit Stefano Domenicali (CEO Formel-1-Management, Anm.) spreche ich fast jeden Tag. Wir tauschen unsere Vorstellungen regelmäßig aus. Wir sind uns einig, dass Stabilität im Regelwerk ganz essenziell ist. Wir müssen auch für ein gutes Verhältnis zu den Herstellern sorgen. Denn nur in Zusammenarbeit mit ihnen können wir auch die Herausforderungen der Nachhaltigkeit bewältigen.

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LAOLA1: Sind die Regeln zum Antriebsstrang ab 2026 auf Schiene?

Ben Sulayem: Ja, denn jeder weiß, wie wichtig diese auf dem Weg zu null Emissionen ab 2030 sind. Daher müssen wir 2026 einen extrem effizienten Antrieb haben. Für die Hersteller ist die Formel 1 die Arena, ihre Technologie im Wettbewerb zu präsentieren. So haben wir ein gemeinsames Ziel.

LAOLA1: Noch mehr als vermutlich zwei Hersteller aus der Volkswagen-Gruppe in der Formel 1 kommen in den nächsten beiden Jahren Werke in die Langstrecken-WM (WEC). Beginnt da eine neue Blütezeit?

Ben Sulayem: Es ist gut, dass wir auch diese Serie besprechen. Wir brauchen für das WEC ebenso neue Hersteller – oder solche, die zurückkehren. Motorsport ist natürlich nicht nur Formel 1, ich muss mich genauso den anderen Disziplinen widmen. Wir brauchen alle, um den Motorsport noch stärker zu verankern. Und dabei geht es auch um das Thema Diversität. Dafür haben wir vor Kurzem Tanya Kutsenko als Beauftragte für Gleichstellung, Diversität und Inklusion nominiert. Aber zurück zum WEC, das nicht nur für mich ein wichtiger Teil des Motorsports ist und das zu Recht einen Aufschwung erlebt.

LAOLA1: Entwickelt sich der Rallyesport in die richtige Richtung?

Ben Sulayem (zögert): Ja, schon. Wir haben jetzt die Cross-Country-Serie, die wir lang als WM etablieren wollten und dafür einen Promotor suchten. Das World Rally Raid Championship ist mittlerweile auf einem guten Weg. Aber es gibt noch einiges zu lernen. Für die WM (WRC) gilt es, noch neue Märkte zu erschließen. Ich denke da vor allem an Asien.

LAOLA1: Erschließt die Formel E dem Motorsport neues Publikum?

Ben Sulayem: Ja, sie wendet sich an zukunftsorientierte Fans. Ich werde mich am letzten Juli-Wochenende am Samstag vom ungarischen Grand Prix nach London begeben, um mir dort das zweite Formel-E-Rennen anzusehen. Wir müssen die Formel E pflegen und uns genauso um ihren Aufschwung kümmern wie in den anderen Championaten.

LAOLA1: Noch eine Frage zur allgemeinen Mobilität. Werden Sie die intensiven Bemühungen Ihres Vorgängers Jean Todt in Sachen Verkehrssicherheit fortsetzen?

Ben Sulayem: Auf jeden Fall, ein ganz wichtiger Punkt. Dabei müssen wir die Regionen und die nationalen Klubs unterstützen. Wir müssen aber darauf achten, nicht nur die Verkehrssicherheit weiterzuentwickeln, sondern auch Nachhaltigkeit in der allgemeinen Mobilität. Da müssen Sport und Mobilität alle Synergien nützen.

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