Wer hat die Nase vorn? So gehen die Teams 2022 an

Wer hat die Nase vorn? So gehen die Teams 2022 an Foto: © getty
 

Rein in die neue Saison 2022 der Formel 1!

Mit dem Grand Prix von Bahrain (Sonntag, ab 16:00 Uhr im LIVE-Ticker>>>) ist die Wartezeit von dreieinhalb Monaten endlich vorbei.

Sie war so unterhaltsam wie nie, sorgte das Finale 2021 doch für anhaltenden Wellengang hinter den Kulissen. Und mit dem neuen Reglement gab es mit den ersten Präsentationen schon viel Stoff für Beobachtungen und Fachsimpelei.

Die neue Ära verspricht nicht weniger als deutlich attraktivere Rennen und durchgemischte Kräfteverhältnisse. Zwei Versprechen, die den Wahrheitsbeweis erst antreten müssen.

LAOLA1 hat zum ersten Rennen die wichtigsten Änderungen bei allen zehn Teams und ihre Erwartungen an das neue Jahr zusammengefasst. Basierend auf den Test-Eindrücken gibt es auch ein erstes Ranking.

Wie immer sind diese Wertungen subjektiv zu betrachten, und vor dieser Saison ist der Status quo offen wie nie. Es darf und soll in den Kommentaren heftig widersprochen und diskutiert werden - her mit euren Einschätzungen!

10. Williams

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So geht es ins Jahr 2022: Langsam kehrt bei Williams nach der Übernahme durch ein Konsortium wieder Ruhe ein. Die neue Kontinuität und finanzielle Ruhe sollen zur Grundlage werden, das Team wieder aufzubauen. Bei den Fahrern hat das ehemals so stolze Team nach der Beförderung von George Russell zu Mercedes aber deutlich Qualität eingebüßt. Alex Albon ist bei Red Bull - vielleicht gar ein wenig schnell - durchgefallen. Und Nicholas Latifis Formel-1-Eignung steht permanent am Prüfstand.

Die Hoffnungen: 2021 hatte endlich wieder Lichtblicke zu liefern. Das war aber zu einem gewaltigen Teil Russell geschuldet. Das weiß Williams und bleibt vorsichtig. Wie jeder Nachzügler will Williams zurück in ruhige Fahrwässer, ins Mittelfeld und zumindest hin und wieder um Punkte kämpfen. Letzter werden sowieso nicht.

Die LAOLA1-Einschätzung: Ein Team aus dem breiten Mittelfeld, das sich bei den Tests klar als Schlusslicht präsentiert hat, gibt es nicht. Aber Williams hatte mit den größten Problemen zu kämpfen, verlor einen Testtag durch eine abgebrannte Hinterbremse bei Nicholas Latifi. Die Performance war okay, nicht mehr. Und das schwächste Fahrer-Duo ist eben keine gute Grundlage für gewaltige Sprünge.

9. Alfa Romeo

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So geht es ins Jahr 2022: Die auffälligste Neuigkeit gibt es bei den Fahrern: Kimi Räikkönen und Antonio Giovinazzi sind raus, Valtteri Bottas und Guanyu Zhou drin. Eine Übernahme durch Andretti, die auch in die Formel 1 drängen, scheiterte Ende 2021 an unterschiedlichen Vorstellungen. Alfa Romeo respektive Sauber wollten viel Kontrolle behalten, was für eine weiterhin langfristige Ausrichtung des Projekts spricht.

Die Hoffnungen: Illusionen gibt sich Alfa Romeo nicht hin. Es soll regelmäßig gepunktet werden, von Podien keine Rede. Die größte Hoffnung liegt in Bottas, der immerhin viele Jahre an Mercedes-Erfahrung und Know-how mitbringt, dabei immer wieder bewies, an guten Tagen ein Siegfahrer zu sein. Aber das war Kimi Räikkönen auch. Ist er ein Fortschritt für Alfa Romeo? Und wenn ja - ein großer? Für den braven, aber unterwältigenden Giovinazzi kam der erste chinesische Stammfahrer ins Team, aber Zhou hat in der F2 Talent bewiesen und seinen Platz nicht nur aus Marketinggründen.

Die LAOLA1-Einschätzung: Als einziges Team hat Alfa keine Gewichtsprobleme und das "Porpoising" nach eigener Aussage gut im Griff. Abseits von vereinzelten schnellen Zeiten waren Standfestigkeitsprobleme aber die größte Auffälligkeit der Tests. Bottas ist zuversichtlich geblieben, bei uns braucht es für den Optimismus erst Beweise.

8. Haas

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So geht es ins Jahr 2022: Haas war 2020 dermaßen hoffnungslos am Ende des Feldes gefangen, dass 2021 gleich ganz abgeschenkt wurde. So früh wie Haas begann kein anderes Team, die Ressourcen ganz auf das neue Reglement zu konzentrieren. Trotzdem gab es in den letzten Wochen durch die bekannten Geschehnisse keine Ruhe. So schwierig der Wegfall des Hauptsponsors ist, so ein großer Segen ist die "erzwungene" Trennung vom talentbefreiten Nikita Mazepin. Kevin Magnussens Überraschungs-Comeback war die Folge.

Die Hoffnungen: Haas will zurück ins Mittelfeld, wo sich die US-Amerikaner vor gar nicht allzu langer Zeit schon befanden. Mit Magnussen ist Erfahrung ins Team zurückgekehrt, das wird dem Rennstall - und dem Teamkollegen Mick Schumacher - bei der Entwicklung helfen. Schumi jr. hatte bislang in jeder Rennserie im zweiten Jahr seine beste Performance, das soll auch in der Formel 1 gelten.

Die LAOLA1-Einschätzung: Bei keinem Team ist sie so schwer wie bei Haas. Das Auto war bei den Tests unter stark optimierten Bedingungen sogar ganz vorn dabei. Das wird ein falsches Bild gewesen sein, aber alles erweckt den Eindruck, als könnte die Rote Laterne wirklich abgegeben werden. Wo sich Haas im dichten Mittelfeld einreihen kann, wird die große Überraschung. Und auch, ob Gene Haas' Behauptungen, finanziell auf "Uralkali" nicht angewiesen zu sein, der Wahrheit entsprechen. Der achte Platz im Ranking ist konservativ.

7. Aston Martin

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So geht es ins Jahr 2022: "BWT" und Teamchef Otmar Szafnauer sind zu Alpine abgewandert, dafür wurde mit "Aramco" sogar ein zweiter Titelsponsor ans Land gezogen. Der etwas sperrige Teamname dadurch nun: "Aston Martin Aramco Cognizant F1 Team". Der Szafnauer-Nachfolger heißt Mike Krack, sonst hat sich nicht überwältigend viel getan. Wozu auch? Die Grundlage ist üppig und muss den erwarteten Output sowieso erst liefern. Das Auto wirkt unspektakulär, hat sich seit der frühesten aller zehn Präsentationen auch kaum mehr verändert.

Die Hoffnungen: Das erste Jahr als Aston Martin war, gemessen an der Vergangenheit als Racing Point, insgesamt ein herber Rückschritt. Daran änderte ein Podium für Sebastian Vettel nichts. Das gesteckte Ziel muss sein, daran regelmäßig Ansprüche zu stellen. Aber die Konkurrenz darum ist riesig.

Die LAOLA1-Einschätzung: Bei den Tests präsentierte sich Aston Martin als graue Maus. Superschnelle Rundenzeiten waren gar nicht das Ziel, die Longruns haben nach eigener Aussage tadellos funktioniert. Dazu wirkt Vettel so befreit wie nie, hoffentlich ändert der Corona-Ausfall zu Beginn der Saison daran nichts. Aus einem schwieirgen Jahr wie 2021 startend, braucht es für echte Fortschritte aber zuerst handfeste Beweise. Zwischen rang acht und vier liegen die Teams in diesem Ranking hauchdünn beinander, da geht noch was nach oben.

6. Alpine

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So geht es ins Jahr 2022: Die größten Änderungen gibt es mit Neo-Hauptsponsor "BWT" - durch sein Rosa wie immer schwer zu übersehen - auf dem Auto und mit Ex-Aston-Martin-Boss Otmar Szafnauer als Teamchef hinter den Kulissen. Aufgestellt sind die Franzosen weiter stark: Als Renault-Werksteam in Sachen Ressourcen sowieso immer, mit Doppel-Weltmeister Fernando Alonso und Esteban Ocon, seit 2021 auch GP-Sieger, weiterhin mit dem grundsoliden Fahrer-Duo. Neu ist Testfahrer Oscar Piastri, seines Zeichens F2-Champion. Auch nicht schlecht.

Die Hoffnungen: Hoffnungen und Resultate klaffen bei Alpine, respektive Renault, seit Jahren auseinander. Als Werksteam sind Angriffe auf die Top drei, mittelfristig regelmäßige Siege und langfristig Titelchancen der Anspruch. Real hinkt Blau-Rosa dem eigenen Zeitplan hinterher. Nach dem Ungarn-Sieg 2021 wären regelmäßige Erfolge eigentlich der nächste Schritt, aber das scheint gerade nicht realistisch. Gut, dass im Konzern vom Projekt überzeugte Leute sitzen.

Die LAOLA1-Einschätzung: Unauffällig. Das ist die beste Beschreibung der Testfahrten für Alpine. Es wurden viele Longruns gefahren, so waren Alonso und Ocon in den Zeiten nie vorn dabei. Insgesamt war das bisher Gezeigte aber weit davon weg, Ansprüche als "Best of the Rest" anzumelden. So gibt es auch im Ranking eine zurückhaltende Platzierung.

5. AlphaTauri

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So geht es ins Jahr 2022: Never change a solid team. Auf Motorenseite gelten für AlphaTauri die gleichen Änderungen wie für Red Bull, siehe weiter unten in diesem Ranking. Sonst ist in vielerlei Hinsicht Kontinuität angesagt, auch bei den Fahrern.

Die Hoffnungen: AlphaTauri war 2021 die erfrischende Note im Mittelfeld und immer für eine Überraschung gut. Viel mehr, als diesen Eindruck aufrechtzuerhalten, kann als B-Team gar nicht drin sein. Dass fast nur Rückschritte möglich sind, ist nach dem Reglement-Wechsel eine reale Gefahr. Vorerst gibt es nicht viele Gründe, am Fortbestand des Status zu zweifeln. Bei den Tests waren immerhin zwei Bestzeiten dabei.

Die LAOLA1-Einschätzung: Pierre Gasly ist dem B-Team gefühlt entwachsen, bekam aber partout keine zweite Chance bei Red Bull. Für AlphaTauri nicht schlecht, er ist zum echten Leader gereift. Das Problem hieß Yuki Tsunoda. Mit ihm steht und fällt viel, was den eigenen Status im Mittelfeld betrifft. Der Japaner mit Hang zu emotionalen Ausbrüchen am Team-Funk muss einen deutlichen Fortschritt hinlegen, dann ist sogar "Best of the Rest" drin.

4. McLaren

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So geht es ins Jahr 2022: McLaren ist um einen zunehmend jugendlichen Auftritt bemüht, dafür sind Lando Norris und Daniel Ricciardo - obwohl gar nicht mehr so jung - die richtigen Fahrer. Aus Performance-Sicht gab es keinen Grund, an ihnen zu zweifeln, auch wenn der Australier Eingewöhnungszeit brauchte. Nun soll und muss er voll da sein, allerdings ist Norris mittlerweile schon selbst deutlich gereift. Zu ihm gibt es ein langfristiges Commitment der Bosse. Es wird gut und langfristig gearbeitet.

Die Hoffnungen: Dem sensationellen Wochenende in Monza mit dem Doppelsieg ließ McLaren 2021 in Sotschi fast einen zweiten Sieg folgen. Die Briten sind also wieder siegfähig, und das war keine Eintagsfliege. Ein Fortschritt wären zwei bis drei GP-Erfolge, Titel-Illusionen geben sich die Verantwortlichen nicht hin. Damit ist McLaren bei ähnlichem Potenzial quasi die Antithese zu Ferrari. Ein Rückschritt ist in diesem engen Feld aber leichter zu bewerkstelligen, als die nächste Sprosse auf der Leiter nach oben.

Die LAOLA1-Einschätzung: McLaren ist in einer gefährlichen Position. Der Schritt zurück zum Top-Team scheint zu groß, die Konkurrenz im Nacken ist breit. Einem sehr starken Test in Barcelona, wo die Briten mit das schnellste Team waren, folgten in Bahrain etwas Ernüchterung und Probleme. So, wie es jetzt aussieht, könnte McLaren auf einzelnen Strecken ganz vorne mitspielen, auf anderen keine Chance auf das Podium haben. Also ähnlich wie 2021. Darum bleiben wir im Vergleich zum Vorjahr auch bei Rang vier für Papaya.

3. Mercedes

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So geht es ins Jahr 2022: Der Mercedes war das Gesprächsthema der Vorbereitung. Das radikalste Auto, Seitenkästen fast inexistent, hie und da ein offensichtlicher Ingenieurs-Clou - das sorgte schon wieder für erste Streitereien. Augenscheinlichste Änderung ist dennoch die Beförderung von George Russell. Dem Supertalent wird nachgesagt, ein harter Gegner für Lewis Hamilton und langfristig sein Nachfolger werden zu können. Aber ist hausinterne Konkurrenz zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt eine gute Idee?

Die Hoffnungen: Als amtierender Serienchampion bei den Konstrukteuren muss natürlich die Titelverteidigung her. Nach dem Final-Drama 2021 wäre der achte Titel für Hamilton gleichermaßen Ziel und Genugtuung, aber mehr als ein Auge ist auch auf Russell gerichtet. Schwer abzusehen, was er abliefern können (oder dürfen) wird.

Die LAOLA1-Einschätzung: War der radikale Ansatz der richtige Weg in einer privilegierten Ausgangsposition? Nach den Tests war Mercedes traditionell skeptisch, diesmal könnte mehr dran sein. Der Konkurrenz einmal mehr von Beginn weg um die Ohren zu fahren, dürfte nicht drin sein. Das Konzept könnte seine Stärken der Theorie nach auf langsameren Strecken besser zur Entfaltung bringen und dazu Nachentwicklung benötigen. Mercedes muss seinen Status 2022 erst einmal neu beweisen.

2. Ferrari

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So geht es ins Jahr 2022: Ferrari ging nach zwei sieglosen Jahren beim Design Risiken ein, die sich gelohnt haben dürften. Auch beim Motor wurde noch eine Entwicklungsstufe nachgelegt. Sonst blieben die großen Änderungen aus, speziell bei den Fahrern hat die Scuderia ohnehin ein junges, hungriges und sehr ebenbürtiges Duo.

Die Hoffnungen: Nach zwei sieglosen Jahren MÜSSEN wieder Erfolge her, sonst wird es Zeit für gröbere Änderungen. Das Ziel wären jetzt einmal Grand-Prix-Siege und der Wiederanschluss an die beiden Top-Teams - Lewis Hamilton hat die Roten vorerst als Hauptgegner am Radar, prophezeite für den Auftakt einen Doppelsieg.

Die LAOLA1-Einschätzung: Das Auto ist nicht nur schön, sondern auch schnell - das ist die Scuderia bei den Tests aber häufig. Wie geschwind die Italiener wirklich sind, muss sich erst weisen. Bestätigt sich der Eindruck, könnte das beste Jahr seit 2019 winken. Die Scuderia zum Titelkandidaten zu schreiben, ist noch zu früh. Aber hoffnungsvoll sieht sie aus - und für die Formel 1 wäre es wichtig, werden Charles Leclerc und Carlos Sainz wieder zu Sieg-Kandidaten.

1. Red Bull Racing

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So geht es ins Jahr 2022: Offiziell ist Honda von Bord gegangen, inoffiziell haben die Japaner im Hintergrund ihre Hände noch im Spiel. Die Motoren sind auf die nächsten Jahre sowieso eingefroren. So hat sich im Weltmeister-Team nicht allzu viel geändert. Red Bull hat im Zuge der Präsentationen ein fast schon kindisches Versteckspiel abgeliefert, dabei ist das Auto im Angesicht so manches Konkurrenz-Renners gar nicht derart radikal. Aber schnell, das hat der letzte Testtag bewiesen.

Die Hoffnungen: Nach dem Fahrer-Titel soll nun auch der Konstrukteurs-Titel her. Die große Frage ist, was der WM-Titel im Rücken mit Verstappen macht: Fährt er noch "befreiter" als zuvor auf? Oder will er nicht mehr alles mit der Brechstange erzwingen? Die Titelverteidigung ist durchaus möglich, mit einer cleveren Herangehensweise in der einen oder anderen Situation würde er sich das Leben aber leichter machen. Vielleicht kann auch die Konkurrenz nicht konstant genug performen.

Die LAOLA1-Einschätzung: Da haben die "Bullen" sich erst spät ein wenig in die Karten blicken lassen. Von den Teams mit Titelansprüchen scheint Red Bull Racing momentan das schnellste zu sein, aber es ist nur eine Momentaufnahme.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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