Formel-1-Teamchefs streiten über Budget-Grenze

Formel-1-Teamchefs streiten über Budget-Grenze Foto: © getty
 

Die Inflation macht auch vor dem Millionen-Business Formel 1 nicht Halt.

Die Folgen der Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine ließen auch die Kosten für die Motorsport-Königsklasse und ihre Teams in die Höhe schießen.

Deshalb fordern die Topteams nun eine Erhöhung der Kostengrenze. Das Budgetlimit liegt in diesem Jahr bei 140 Millionen Dollar, die großen Teams hatten ursprünglich 175 Millionen gefordert.

"Alle großen Teams werden über das Limit kommen. Wir sind schon bei 30 Millionen weniger, als eigentlich geplant war. Als wir die Zahlen festgelegt haben, hat niemand diese Inflation vorhergesehen. Wir wissen noch nicht einmal, wie sie in der zweiten Saisonhälfte ausfallen wird. Die FIA muss hier früh reagieren", fordert Red-Bull-Teamchef Christian Horner im Rahmen der Pressekonferenz der Teamchefs am Samstag in Monaco.

Laut dem Briten musste sich Red Bull bereits von "einigen unserer langjährigen Mitarbeiter" trennen. Er warnte kürzlich auch davor, dass manche Teams die letzten vier Saisonrennen womöglich auslassen müssen, um unter dem Budgetlimit zu bleiben.

Mercedes: "Es geht beim besten Willen nicht"

Laut Andrew Shovlin von Mercedes ist es "unmöglich", die Vorgaben des Finanziellen Reglements unter den aktuellen Gegebenheiten zu erfüllen. "Es geht beim besten Willen nicht."

Schon jetzt haben die Silberpfeile die Anzahl an Ersatzteilen reduziert, nutzen vorhandene Teile länger als üblich. "Jedes Wochenende könnten wir so in eine Situation kommen, in der wir nicht am Rennen teilnehmen können", so Shovlin.

Ferrari-Teamchef Binotto: "Konnten uns nicht darauf einstellen"

Ferraris Mattia Binotto stellt sich am Samstag an Horners Seite. "Wir konnten uns auf die Reduktion auf 140 Millionen Dollar einstellen. Wir konnten uns darauf einstellen, keine Teile aus dem letzten Jahr zu übernehmen. Aber wir konnten uns nicht auf eine Inflation von sechs Prozent vorbereiten", so der Italiener.

Binotto ist sich sicher, dass viele Teams das Budgetlimit überschreiten werden. "Der einzige Weg das zu vermeiden, ist, uns jetzt etwas mehr Luft zu geben und für nächstes Jahr bessere Arbeit in Sachen Budgetlimit zu leisten."

Sowohl Binotto als auch Horner sind der Meinung: "Ein Krieg ist höhere Gewalt."

Alfa-Teamchef Vasseur winkt ab: "Es ist kein Fall von höherer Gewalt"

Einige kleinere Teams sehen das allerdings ganz anders.

"Es ist kein Fall von höherer Gewalt, denn Inflation ist keine höhere Gewalt. Die Teams müssen entscheiden: Das Auto ein ganzes Jahr entwickeln und vier Rennen verpassen, oder die Entwicklung stoppen und dann alle Rennen fahren", erklärt Alfa-Romeo-Teamchef Frederic Vasseur in Bezug auf Horners Bedenken.

Laut Vasseur gäbe es für alle Teams Möglichkeiten, um zu sparen. "Wenn die Energie teuer ist, dann ist es das einfachste, den Windkanal abzuschalten. Wir kommen an diesen Punkt und dann müssen es die anderen eben auch machen", so sein Beispiel.

Haas-Teamchef Steiner: "Du musst jetzt anfangen zu sparen"

Auch Haas-Teamchef Günther Steiner hat eine Botschaft an Horner: "Du musst jetzt anfangen zu sparen. Wir haben immer noch fünf Monate Saison vor uns. Du kannst nicht einfach das Geld innerhalb von vier Rennen ausgeben, das wird nicht funktionieren. Wenn die (Red Bull, Anm.) es nicht zu den letzten vier Rennen schaffen, dann sind neun andere Teams sehr glücklich darüber. Dann bekommen sie fürs nächste Jahr kein Geld und wir können es unter uns aufteilen."

Alpine-Chef Otmar Szafnauer lässt die Inflations-Erklärung ebenfalls nicht gelten: "Man budgetiert die Saison im November zuvor, da hatten wir schon sieben Prozent Inflation. Wir haben das einkalkuliert - auch wenn die Fracht noch etwas teurer ist als gedacht."

Szafnauer beharrt deshalb auf dem Limit: "Es ist machbar. Wir haben ein Limit gesetzt, also bleiben wir jetzt auch dabei."

McLaren-Teamchef Seidl nimmt Formel 1 und FIA in die Pflicht

Etwas diplomatischer in der ganzen Diskussion gibt sich McLaren-Teamchef Andreas Seidl.

"Es ist klar, dass unterschiedliche Meinungen zu erwarten waren, denn jedes Team denkt opportunistisch", so der Deutsche. "Deshalb brauchen wir in diesen Situationen eine starke Führung durch die Formel 1 und die FIA, um die beste Lösung im Sinne des Sports zu finden."

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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