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Nyck de Vries nach F1-Debüt: "Wie ein Traum"

Der F1-Debütant zieht positive Bilanz, viel Lob vom Teamchef und Fahrerkollegen:

Nyck de Vries nach F1-Debüt: Foto: © GEPA

Formel-1-Debütant Nyck de Vries hat beim GP von Italien (Rennbericht>>>) mit Platz neun klar überzeugt, ganz glauben kann der 27-Jährige es aber nicht.

Noch am Freitag war der einstige Formel-E-Weltmeister planmäßig als Trainingsfahrer im Aston Martin unterwegs, am Samstagmorgen änderte sich die Welt des Mercedes-, Aston-Martin- sowie Williams-Test-/Ersatzfahrers auf einen Schlag. Denn Williams-Stammfahrer Alexander Albon musste aufgrund einer Blinddarmentzündung ins Krankenhaus, folglich operiert werden und fiel für das 16. Saisonrennen im Königlichen Park aus.

De Vries erhielt den Zuschlag und übernahm ab dem Samstagmorgen den Williams-Renner und wurde der zweite Pilot in der F1-Geschichte, der nach dem deutschen Ex-Caterham-Piloten Andre Lotterer in Spa-Francorchamps 2014 auf die Startnummer 45 setzte.

Dass de Vries sichtlich "aufgeregt und nervös" beim GP am Sonntag war, kann ihm wohl keiner übel nehmen. Doch der Niederländer packte die Chance am Schopf, überzeugte mit zwei gesammelten Zählern auf ganzer Linie und stellte Williams-Stammfahrer Nicholas Latifi klar in den Schatten.

Capito: "Er hat die Erwartungen übertroffen"

Williams-Teamchef Jost Capito sprach am Sonntag entzückt vom Debüt des einstigen Formel-2-Weltmeisters gegenüber dem "ORF": "Er hat gezeigt, was ich persönlich von ihm erwartet habe und er hat das sogar übertroffen. Er hat unter Druck keinen Fehler gemacht, er ist gefahren, als wäre er das ganze Jahr dabei."

Dass de Vries fähig ist, ein Rennauto schnell zu bewegen, hat er mit seinen Weltmeister-Titeln außerhalb der Formel 1 bereits bewiesen. Schnell wurden auch Stimmen über ein F1-Cockpit 2023 laut, Nicholas Latifi wird sowohl im Experten- als auch im Fan-Lager keine Zukunft in der Königsklasse nachgesagt. Capito kommentierte: "(Nyck) ist sicher keine schlechte Option (für 2023, Anm.), aber er hat noch andere Verpflichtungen und da muss man sehen, was da in Zukunft für ihn möglich ist."

Doch de Vries muss noch einiges an körperlichem Training hinter sich bringen, wenn er 2023 ein Vollzeit-Cockpit erhalten will: "Er ist ins Auto eingestiegen für das letzte Freie Training und ist nur ein paar Runden gefahren. Anschließend das erste Qualifying und das erste Rennen in der Formel 1, absolut alles ohne Fehler. Die Autos sind schon sehr komplex und schwierig zu fahren. Und das zu tun, Simulator hin oder her, das ist etwas anderes. Er hat mir am Funk gesagt, als er in die Box gekommen ist, hat er gesagt: Ich kann meine Schultern nicht mehr bewegen. Ich spüre die überhaupt nicht mehr."

De Vries hinterließ früh einen guten Eindruck

Der "Fahrer des Tages" de Vries hat aber nicht nur auf der Rennstrecke Eindruck beim Teamchef aus der deutschen Kleinstadt Neunkirchen hinterlassen: "Als er letztes Jahr zu mir nach Hause gekommen ist, hat er sich den Tee selbst gemacht. Er hat sich da schon gut eingeschmeichelt, ein toller Typ."

Auch wenn de Vries beim Monza-GP Neunter wurde und damit der zweite Debütant 2022 wurde, der auf Anhieb Punkte erzielt hat - Guanyu Zhou im Alfa Romeo gelang das Kunststück beim Auftakt in Bahrain - weiß Capito um den Kontroversen Rennausgang: "Generell ist die Safety-Car-Phase ein Thema, das in der FIA Formula 1 Commission diskutiert werden wird. Man möchte das Rennen nicht hinter dem Safety Car beenden. Aber die Sicherheit geht vor und da gibt es Regeln für."

"Und wenn man die Regeln ein bisschen anders auslegt, vielleicht zu Gunsten der Zuschauer, ist das nicht so einfach eine Lösung zu finden. Gerade mit dem Zurückrunden der Fahrzeuge etc. Das ganze Thema ist sehr komplex, deswegen glaube ich, dass die jetzige Lösung die logischste ist. Wenn ein Safety Car zu Rennende kommt, dann ist es nun mal so. Ich glaube aber, dass die Zuschauer ein spannendes Rennen gesehen haben."

De Vries kaum zu bremsen

Für den 27-Jährigen aus Sneek waren der Samstag und der Sonntag "wie ein Traum". Er habe "nicht wirklich Zeit gehabt, nachzudenken", denn: "Die Aufregung ist zur Nervosität übergegangen und ich habe die ganze Nacht kein Auge zubekommen."

Zum ersten Mal das Ausgehen der Ampelanlage bei einem F1-GP zu sehen, fasste der Sympathieträger wie folgt zusammen: "Der Start war gut genug, um die Position zu halten. Ich denke, es war wichtig für mich in einen Rhythmus zu kommen und keine Position zu verlieren, denn dann werden deine Reifen dreckig und du bist dadurch im Nachteil."

"Deswegen kann ich nur Gutes über die Strategie sagen, die Pace hat ebenfalls gestimmt. Das Auto hat sich gut angefühlt, auch wenn wir eine kleine Änderung beim ersten Boxenstopp vorgenommen haben", führt de Vries fort und betont: "Zwar hatte ich etwas Hilfe von außen, da einige Fahrer Gridstrafen erhalten haben, aber die zwei Punkte bleiben unsere."

Seine Leistung ist nicht nur am Kommandostand gesehen worden. Landsmann und GP-Sieger Max Verstappen sei am Grid "nett" gewesen und habe ihm einen wichtigen Ratschlag mit auf den Weg gegeben, der siebenfache Weltmeister Lewis Hamilton gehörte nach dem Rennen gar zu jenen Gratulanten, die persönlich bei de Vries vorbeischauten. "Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung und auch dafür, dass ich 'Fahrer des Tages' wurde", rundet er passend dazu ab.

Mercedes-Teamchef mit klarer Meinung nach de-Vries-Debüt

Auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff erklärt gegenüber "Sky" das, was Amtskollege Capito bereits angedeutet hat: "Wenn ihn jetzt nicht einer von denen aufschnappt, die noch einen freien Sitz haben, dann verstehe ich die Welt nicht mehr."

Dennoch dämpft Capito die Euphorie und erklärt zum möglichen Williams-Line-Up 2023: "Im Moment sind noch so viele Bälle in der Luft. Ich glaube, man muss den Staub setzen lassen und dann aussortieren. Es gibt viele gute Möglichkeiten, es sind auch viele Junge, die eine Chance verdient haben. Was an jungen Fahrern im Moment nachkommt, ist sensationell. Auch der Nyck verdient eine Chance, die Auswahl ist schwer."


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