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Red-Bull-Teamchef: Max geht wie Jesus übers Wasser

RB-Teamchef Christian Horner schwärmt nach dem Italien-Sieg von Max Verstappen:

Red-Bull-Teamchef: Max geht wie Jesus übers Wasser Foto: © getty

Max Verstappen hat beim GP von Italien vor den Augen der italienischen Tifosi seinen elften Saisonsieg gefeiert (Rennbericht>>>) und einen großen Schritt in Richtung zweiten Titel gemacht.

Red Bull und Verstappen sind aktuell nicht zu bremsen. Nach einer Strafversetzung für den Italien-GP startete der Niederländer lediglich als Siebter, während WM-Rivale Charles Leclerc beim Ferrari-Heimspiel die Pole Position und damit die besten Voraussetzungen auf einen Sieg innehatte.

Doch der amtierende Weltmeister erlebte eine brillante erste Runde, kaum war die zweite Runde gestartet, lag der 24-Jährige bereits auf Rang drei und machte kurz darauf als Zweitplatzierter gar Jagd auf den Führenden Leclerc. Dass am Ende Verstappen als Sieger hervorging, ließen sowohl Motorsport-Konsulent Helmut Marko als auch RB-Teamchef Christian Horner um Worte ringen.

"Geht über das Wasser"

RB-Teamchef Horner hat in seiner langen F1-Karriere bereits vier aufeinanderfolgende Meistertitel mit Sebastian Vettel (2010-2013) feiern dürfen, im Vorjahr kam im WM-Thriller der erste mit Verstappen hinzu. Der britische Teamchef bemerkt gegenüber dem "ORF", dass "Max in einer unglaublichen Form" sei.

Dieser habe beim Monza-GP "einen tollen Start" gehabt und sei "geduldig gewesen." Für Verstappen scheint Autofahren kaum mehr eine Herausforderung zu sein, Horner adelt die Leistung seines Schützlings: "Er fährt so fantastisch und geht wie Jesus über das Wasser."

"Wir haben im Qualifying mit dem Mehr-Abtrieb die Pole Position hergeschenkt, weil wir wussten, dass wir im Rennen besser sind."

Dennoch hat der Niederländer das Rennen keineswegs alleine bestritten. Am Kommandostand, rund um Chef-Strategin Hannah Schmitz, wurden wichtige nur "richtige" Entscheidungen getroffen, wie Horner hinzufügt. Aber er zeigt auch Verständnis für Ferraris Zwei-Stopp-Strategie und verweist, dass man deshalb "eine Chance gehabt habe, das Gegenteil zu machen." Dies habe sich "ausgezahlt."

Dennoch: Zum 13. Mal in der F1-Geschichte einen Grand Prix unter Safety-Car-Bedingung zu Ende sehen zu gehen, wollte Horner nicht. "Auch wenn es einen Restart nach dem Safety Car gegeben hätte, hätte er genug Speed gehabt, um zu gewinnen. Das Safety Car war das einzig enttäuschende, denn so will man keinen Grand Prix beenden", rundet er den GP ab.

"Max kann schnell und reifenschonend fahren"

Auch Motorsport-Konsulent Marko zeigt sich gegenüber dem "ORF" alles andere als begeistert vom Rennausgang. Er kritisiert: "Man muss die Bergung der Fahrzeuge überdenken, damit das rascher passiert. Und vor allem diese Regel, dass überrundeten Fahrzeuge vorgewunken werden, dann hätten wir noch eine unglaublich spannende letzte Runde gehabt. Aber einen Max Verstappen in der letzten Runde zu überholen ist nicht so leicht. Aber natürlich ist es schön, wenn man diese Atmosphäre hier sieht. Die Leute haben sich gut verhalten, dass sie gebuht haben gegen die Rennentscheidung ist völlig richtig."

Eigentlich hätte Verstappen seinen ersten Boxenstopp deutlich früher absolvieren sollen, allerdings zeigte Verstappen nicht nur Konstanz, sondern legte auch eine reifenschonende Fahrweise an den Tag. "Nachdem Max hinter Charles Leclerc war, haben wir das Tempo ausgerichtet. Wir sind mit den Soft-Reifen, die noch sehr gut waren, wesentlich länger gefahren, als wir geplant hatten. Das ist das Geheimnis von Max: Er kann sau schnell fahren und wird, wenn er die Reifen schonen soll, sogar eher schneller," vermerkt Marko und führt fort: "Wir hätten auch in jeder Phase (des Rennens, Anm.) reagieren können, aber wir waren nie in einer Gefährdung."

Nicht ob, sondern wann Red Bull über den zweiten Fahrertitel von Verstappen jubeln darf, darüber macht sich Marko voerst keine Gedanken. Denn er hat einen speziellen Rekord, aufgestellt von Sebastian Vettel in der Saison 2013, im Auge: "Ich glaube ich nicht, (dass Verstappen in Singapur Weltmeister wird, Anm.), aber es wäre ein besserer Platz zum Feiern als Suzuka. Jetzt haben wir zwölf Siege, 13 ist der Rekord. Fünf Rennen sind es noch, wäre schön, wenn wir das auf 14 erhöhen können."

Horner vermerkte dazu lediglich: "Wenn der Titel passiert, dann passiert er."

"Hatten beim Safety Car einen Nachteil"

Neben Verstappen steht bei Marko und Horner auch der Mexikaner Perez im Rampenlicht. Dieser habe "einen schlechten Start gehabt" und musste aufgrund eines massiven Bremsplatten, der durch die erzeugten Vibrationen am Fahrzeug "die Aufhängung gefährdete", frühzeitig die Boxengassen ansteuern. Zudem hatte der F1-Veteran mit einer rauchenden Bremse zu kämpfen.

Dennoch sind sich beide einige: "Er ist ein sehr gutes Rennen gefahren" und war aus Markos Sicht "ganz knapp an den Zeiten von Max dran." Wäre das Safety Car aufgrund des Ricciardo-Ausfalls in den Lesmo-Kurven kurz vor Rennende ausgerufen worden, wäre Perez nicht Sechster, sondern Vierter geworden, glaubt der Grazer: "Das Safety Car war für ihn ein Nachteil, denn wir hätten Lewis Hamilton und Carlos Sainz Jr. bekommen."

Den Punkt für die schnellste Rennrunde hält der einfache Sieger in der aktuellen Saison dennoch inne, zudem habe er laut Horner "wichtige Punkte" mit Rang sechs gesammelt.

Verstappen überglücklich

Nach seinem fünften Sieg in Folge hat Verstappen allen Grund zum Feiern. Seine ersten Worte nach dem Rennen wählt der 24-Jährige gegenüber Martin Brundle: "Wir hatten ein tolles Rennen, es ist ein großartiger Tag für uns."

Auch er ist mit der Entscheidung der Rennleitung nicht ganz zufrieden, Verstappen hätte sich lieber "einen Restart gewünscht", um den Grand Prix sportlich fair zu entscheiden. Dennoch weiß er um die Qualität seines RB-Boliden, der wie auf Schienen wirkte: "Wir hatten ein sehr gutes Rennauto. Wir waren auf jeder Mischung die Schnellsten."

Der WM-Stand nach dem Italien-GP im Überblick:


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