Reverend P. lädt zur 106. Messe im Speed-Tempel

Reverend P. lädt zur 106. Messe im Speed-Tempel Foto: © getty
 

Es ist dank der "Flexibilität" und der Weitsichtigkeit der Sportbehörden wieder einmal passiert. Der Höhepunkt der Formel-1-Saison, der Grand Prix von Monaco, und das Highlight in Nordamerika, das Indy 500, gehen am selben Tag (29. Mai) in Szene.

Dank der Zeitdifferenz ist der neue (alte?) Prinz im Fürstentum längst beim Feiern, wenn es im Indianapolis Motor Speedway heißt: "Gentlemen, Start Your Engines!"

"Ladies and Gentlemen" ist heuer nicht nötig, da keine Frau im 33er-Feld dabei ist. Immerhin darf eine routinierte Dame im Oval, Sarah Fisher, diesmal das Pace Car (Anm: Chevrolet Corvette Z06) in den Einführungsrunden lenken.

Die 41-Jährige, selbst neunfache Teilnehmerin am Klassiker (Beste Platzierung: 17., 2009), ist erst die dritte Dame, der diese Ehre zuteilwird, zu der nur a) Rennlegenden, b) Hollywoodgrößen oder c) Politiker kommen.

Roger Penske ist der Indycar-Priester

Die Indycar-Serie samt deren Höhepunkt, der heuer die 106. Auflage im 111. Bestandsjahr erlebt, ist mittlerweile so etwas wie das Privatvergnügen des mächtigsten Manns im Rennsport jenseits von Europa.

Denn Multiunternehmer Roger Penske (85) erwarb 2019 sowohl die Rechte an der Indycar-Meisterschaft als auch das Indianapolis Motor Speedway, das über Jahrzehnte im Besitz der Familie Hulman-George war.

Penske, der mit weißer Haarpracht und gediegenem Auftreten in schwarzer Kleidung sofort als Priester durchgehen würde, hat am Wochenende also mehrfache Interessen. Nicht nur geschäftlicher Art als Speedway-Eigner, sondern auch als Teamchef.

Nur von der Formel 1 lässt Penske seine Finger

Penske Racing, das ist eine Erfolgsfirma mit vielen "Abteilungen": Indycar, NASCAR, IMSA und ab Ende 2022 auch in der Langstrecken-WM (WEC) als Partner von Porsche, wenn die Stuttgarter mit einem neuen LMDh-Boliden in die WM und die US-IMSA-Meisterschaft mit Penske als Einsatzteam zurückkehren.

Nur von der Formel 1, nach der ein Hauptkonkurrent Penske, nämlich Michael Andretti, schielt, lässt er die Finger – obwohl er 1976 auf dem Österreichring mit John Watson als einziger US-Teamchef neben Dan Gurney (All American Racers, Belgien 1967) einen F1-GP gewinnen konnte (abgesehen von den Indy-500-Rennen in den 1950ern, die zur WM zählten). Penske Racing feierte heuer den 600. Rennsieg.

Penskes Fahrer (Ex-Sieger Will Power, Josef Newgarden, Scott McLaughlin) starten Sonntag aus dem Mittelfeld, doch das will in Indy nicht viel heißen – auf 800 Kilometern kann viel passieren.

Fünf F1-"Konvertierte" nehmen das Indy 500 in Angriff

Formel-1-"Konvertierte" sind heuer fünf am Start: Marcus Ericsson (Ganassi/5. Startplatz), Romain Grosjean (Andretti/9.), Takuma Sato (Dale Coyne/10.), Alexander Rossi (Andretti/20.) und Juan Pablo Montoya (Arrow McLaren/30.).

Drei von ihnen (Sato, Rossi, Montoya) haben die Siegermilch im Speed-Tempel bereits getrunken, die anderen fünf früheren Gewinner im Feld sind Scott Dixon, Tony Kanaan, Will Power, Simon Pagenaud und Rekordmann Helio Castroneves.

Rekordsieger Helio Castroneves
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Der Siegerscheck wird um die drei Millionen Dollar ausmachen, der an den Bewerber (Team) geht. 100.000 Dollar Extrabonus hat sich vorläufig schon der Neuseeländer Scott Dixon mit seiner fünften Pole Position im Indy 500 gesichert.

Scott Dixon stellte bereits einen neuen Rekord auf

Seine Durchschnittsgeschwindigkeit im Ganassi-Honda über die vier fliegenden Runden (16 Kilometer): 376,66 km/h – Rekord! Der 41-Jährige ist sechsfacher Indycar-Meister, mit 51 Rennsiegen Dritterfolgreichster aller Zeiten und startete bei seinem einzigen Indy-500-Sieg 2008 ebenfalls vom ersten Platz.

Bemerkenswert ist, dass das Indy 500 längst nicht mehr Domäne der Nordamerikaner ist.

In die Qualifikation der ersten Zwölf schafften es mit Ed Carpenter (4.) und der NASCAR-Legende Jimmy Johnson (12.) gerade zwei US-Piloten, aber neben Dixon ein Spanier (Alex Palou/2.), ein Niederländer (Rinus VeeKay/3.), zwei Schweden (Ericsson/5., Felix Rosenqvist/8.), ein Mexikaner (Pato O’Ward/7. – übrigens kurz ein Red-Bull-Junior!), ein Franzose (Grosjean/9.), ein Japaner (Sato/10.) und ein Australier (Power/11.).

Penskes Österreich-Connection

Übrigens: Vor jedem Indy 500 spricht ein Priester ein Gebet.

Aber es ist nicht Roger Penske.

Der auch eine Österreich-Verbindung hat: Als Penske seine Rennfahrerlaufbahn (u.a. mit zwei Starts in der Formel 1 im US-GP 1961/1962) Mitte der 1960er-Jahre beendete und sein Rennteam gründete, war der Grazer Karl Kainhofer sein erster Angestellter – der später Teammanager und Leiter der Rennwerkstatt wurde, ehe er 1997 in Pension ging.

Kainhofer war KFZ-Lehrling bei Porsche in Stuttgart und wanderte in den späten 1950ern in die USA aus.


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