Lietz & Co. schenken Porsche wahren Feierabend

Lietz & Co. schenken Porsche wahren Feierabend Foto: © Porsche
 

Leid und Freud, das ist in Le Mans immer verteilt.

So war es auch am Wochenende bei der 90. Auflage aus Sicht der Österreicher. Wiewohl es auch bei anderen Teams sehr unterschiedliche Stimmung nach relativ unspektakulären 24 Stunden (nur eine Safety-Car-Phase) gab.

Bei Toyota war das Feiern des fünften Gesamtsieges wohl erwartet worden, obwohl Glickenhaus mit Standfestigkeit erstaunte und Alpine nach großen Hoffnungen wegen vieler Probleme schon bei Halbzeit kein Gegner mehr war.

Dass Porsche die GT-Klasse gewann, war nicht selbstverständlich. Zu stark traten die beiden Corvette-Teams in Training und im Rennen auf, bis sie unverschuldet zu tragischen Verlierern wurden.

Zuerst der Aufhängungsbruch der #63, Sonntagvormittag das bittere Ende für die #64, als Alex Sims vom LMP2-AF Corse von Francois Perrodo touchiert und in die Leitplanken gedreht wurde.

Damit war #92-Porsche 911 RSR mit der des Wahl-Bregenzers Kevin Éstre Favorit in einem zunehmend spannend werdenden Duell mit Ferrari.

Als aber der Däne Michael Christensen nach einem Ausflug in den Schotter nach Arnage einen Reifenplatzer mit massiver Beschädigung der Frontparte erlitt, war eine Reparatur des 911ers unausbleiblich, die zwei Runden Zeit und die Siegchance kostete. Immerhin blieb der #92 noch Rang vier.

Vierter Klassensieg und Distanzrekord

Doch es war da ja noch das "alt"-eingespielte Duo Richard Lietz/Gianmaria Bruni, das in Le Mans fast wie gewohnt von Lokalmatador Frederic Makowiecki ergänzt wurde. Und der Langzeit-Werkfahrer aus Ybbsitz (seit 2007) - massiv unterstützt von der angereisten Familie - machte wie die Kollegen keine Fehler.

Am Ende war auch die Strategie mit Boxenstopps und Reifenwechsel die richtige, sodass der Sieg nach 24 Stunden mit 40 Sekunden Vorsprung deutlich ausfiel. Nach 4.769 Kilometern oder 350 Runden, was auch nebenbei einen Distanzrekord für GT-Fahrzeuge bedeutete.

Letzter Auftritt des Porsche 911 RSR in Le Mans

Richard Lietz feiert 4. Klassensieg in Le Mans
Foto: © getty

Warum der 109. Klassensieg der Stuttgarter an der Sarthe besondere Bedeutung hat?

Es war der letzte Auftritt des 911 RSR in Le Mans. Denn Porsche wechselt ja ab 2023 in die LMDh-Kategorie mit einem neuen Prototyp, gebaut bei Multimatic und eingesetzt in Zusammenarbeit mit Penske Racing in den USA und im WEC.

Die GTE-Pro-Klasse wird 2023 nicht mehr ausgeschrieben.

"Als unsere Startnummer 92 in Führung liegend einen Reifenschaden hatte, dachten wir, es könnte alles vorbei sein. Aber auch die Mitbewerber von Corvette hatten Pech", erklärte Motorsportleiter Thomas Laudenbach.

Weiters meint der deutsche Ingenieur: "Genau in diesem Moment waren wir mit der Nummer 91 zur Stelle – weil bei uns niemand aufgegeben hat: die Fahrer nicht und das Team ebenso wenig. Wir sind für die harte und konsequente Arbeit, die auch im Hintergrund stattgefunden hat, entsprechend belohnt worden. Das fühlt sich einfach nur gut an."

Ferdinand Habsburg auf der Strecke
Foto: © WRT

Für Lietz war es nach 2007, 2010 und 2013 der vierte Klassensieg in Le Mans – und noch dazu der zweite Streich in einem Klassiker, nachdem er im Jänner schon die 24 Stunden von Daytona gewonnen hatte.

"Wir waren zur Stelle als andere Autos in Probleme liefen. Ich denke, wir haben über 24 Stunden die wenigsten Fehler gemacht und deshalb verdient gewonnen. Ich war beim ersten Sieg eines Werks-RSR in Le Mans 2013 dabei und ebenso heute beim letzten Auftritt der GTE-Pro-Klasse in Le Mans. Das ist eine wunderschöne Geschichte", sagte der 38-jährige Niederösterreicher.

Und Jimmy Bruni machte kein Hehl aus seiner besonderen Freude: Er hatte mit den aktuellen Gegnern von Ferrari/AF Corse schon drei Mal Le Mans gewonnen, aber noch nie mit Porsche.

Der Wahl-Bregenzer Éstre musste zugeben: "Wir waren lang vorn dabei, dann aber hatte ein kleiner Reifenschaden schwerwiegende Konsequenzen."

Mit dem Sieg in Le Mans und den doppelten Punkten sind Lietz/Bruni nun auch Spitzenreiter in der GT-Fahrer-WM, die es am 10. Juli in den Sechs Stunden von Monza zu verteidigen gilt.

WRT-Teamkollegen schlugen sich selbst

Ein Faux-pas machte die Ambitionen zweier Teamkollegen auf eine Topplatzierung zunichte.

Denn 500 Meter nach dem fliegenden Start versuchte der trainingsschnellste WRT-Pilot René Rast in der Dunlopschikane innen am United Autosports-Prototypen von Will Owen vorbeizugehen, touchierte dabei den Konkurrenten, der wiederum in den außen fahrenden WRT von Ferdinand Habsburg gedrückt wurde.

Fazit: Rast wurde mit einer einminütigen Stoppstrafe als Verursacher der Kollision belegt, womit sein Rennen "gelaufen" war. Owen musste aus dem Schotter von einem Kran geborgen werden, und Vorjahressieger Habsburg schleppte sich mit Reifen- und Karosserieschaden die langen 13 Kilometer an die Box.

Womit alle drei Sieganwärter der LMP2-Klasse nicht mehr in Frage kamen. Für den Wahl-Bregenzer Rast war dann Sonntagvormittag endgültig Schluss, als Teamkollege Robin Frijns den mittlerweile auf Platz vier vorgerückten WRT in die Leitplanken schmiss.

Der Debütant Mirko Bortolotti in seinem WRT
Foto: © WRT

Habsburg & Co. wurden am Ende nur 17. der LMP2. Besser erging es dem Wiener Le-Mans-Debütanten Mirko Bortolotti im dritten WRT als Elfter.

"Ich bin mit meiner ersten Le-Mans-Erfahrung unheimlich happy. Mein Ziel war, so viele Kilometer wie möglich abzuspulen. Ich fuhr meine schnellsten Runden am Ende des Rennens, das zeigt, dass ich schnell lernte. Ich bin WRT für diese Gelegenheit dankbar", meinte der Wiener, für den es am nächsten Wochenende – wie für etliche Konkurrenten – zur DTM nach Imola geht.

Ferdinand Habsburg war der Frust anzumerken: "Nach den ersten Stunden, in denen nichts wie vorgenommen lief, fuhren wir unser eigenes Rennen ohne Chancen auf Erfolg. Wir versuchten positiv zu bleiben, aber die Probleme hörten nicht auf."

Und der Unglücksrabe Rast gestand: "Es war nicht unser Tag heute. Von Anfang an lief alles schief. Wir hatten viele Zwischenfälle, die harte Arbeit des Teams wurde nicht belohnt. Am wichtigsten ist, dass Robin (Frijns) den schweren Crash unverletzt überstand."

Lichtblicke für Binder, Thiim

Eine Genugtuung erlebte René Binder im Algarve Pro-Oreca mit dem 15. Klassenrang: Nachdem der international gesperrte Russe Daniil Kwjat vor Saisonstart durch den US-Amateur Steven Thomas ersetzt wurde ("Bronze-Fahrer"), war das Team für die Pro-Am-Subwertung berechtigt, die prompt gewonnen wurde.

Dabei musste der Tiroler um Mitternacht Nerven bewahren: Die Elektronik stellte den Motor ab, aber Binder konnte das Backup-System aktivieren und brachte den LMP2 wieder ins Laufen.

Die in der GTE Am engagierten Wahl-Österreicher Nicki Thiim (Northwest Aston Martin) und Mikkel Jensen (Ferrari) belegten den dritten bzw. 12. Klassenrang.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

KOMMENTARE..