Jakob Pöltl: "Will nicht von Plakaten lachen"

Jakob Pöltl: Foto: © GEPA
 

Die Anreise im VW Golf, der Dresscode: Shirt und schwarze Jogginghose. Weil das Gepäck auf dem Weg von Washington nach Wien verloren ging.

Auch am Ende seiner sechsten NBA-Saison hat Jakob Pöltl mit dem Glamour der besten Basketball-Liga der Welt nichts am Hut. Obwohl das bislang beste Jahr seiner Karriere für mehr Beachtung gesorgt hat.

Jedenfalls in den USA. In Österreich kann der Auftritt des Wieners nicht nur kleidungstechnisch leger, sondern wie mittlerweile jeden Frühsommer beim traditionellen Medientermin an der alten Donau auch im gemütlichen Rahmen bleiben.

Er wird schon öfter erkannt

Ein wenig mehr Aufmerksamkeit wird es dennoch von Jahr zu Jahr.

"Für mich wird es jedes Jahr stetig ein bisschen mehr und mehr. Nicht zu vergleichen mit der Aufmerksamkeit in den USA", nehmen die Foto-Anfragen doch zu. Mit 2,16 Metern Körpergröße wäre Versteckspielen auch wenig Erfolg beschert.

In den Fan-Scharen zu ertrinken, passiert auch in San Antonio nicht. Aber die Aufmerksamkeit nimmt in der Heimat seiner Spurs zu.

"Die Leute sind ein bisschen mutiger und schneller da, fragen schon mal nach einem Foto. Aber sie sind immer sehr höflich und respektieren meine Zeit. Ich habe da überhaupt keine Probleme, vor allem in San Antonio selbst ist die Fanbase sehr super, die Leute nett und respektvoll."

Die neue Leader-Rolle

Von einem Superstar ist der 26-Jährige zwar noch weit entfernt, die Leistung 2021/22 konnte sich aber sehen lassen. Pöltl hat sich einen Namen gemacht - nicht nur dadurch, dass ein beliebtes Online-Spiel, bei dem NBA-Spieler zu erraten sind, nach ihm benannt wurde.

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68 Spiele mit durchschnittlich 13,5 Punkten, 9,3 Rebounds, 2,8 Assists, rund 29 Minuten Spielzeit, das waren allesamt Karriere-Bestwerte.

3,9 Offensiv-Rebounds machten ihn NBA-weit zur Nummer drei, 1,7 Blocks zur Nummer fünf dieser Statistiken. Vor allem defensiv ist Pöltl kein Mitläufer mehr, sondern eine Hausnummer.

Und eine Leader-Figur San Antonios, die Spurs sind ein junges Team und der Wiener geht schon als Routinier durch.

"Es war interessant. Wir haben mit Dejounte Murray einen klassischen Leader, ich habe diese Rolle in der Defensive eingenommen. Es ist eine andere Erfahrung, wenn es so viele Spieler im Locker Room gibt, die meine Routine nicht haben. In der Rolle war ich noch nicht, das war schon cool."

Österreich? "So schnell tut sich da nix"

In Österreich ist abseits des Basketball-interessierten Kerns aber viel Luft nach oben, was Pöltls Präsenz betrifft.

"Der Stellenwert von Basketball in Österreich? So schnell wird sich da nichts tun", denkt er.

"Er ist schon gestiegen, wie generell in Europa, aber hintennach sind wir schon. Die Prioritäten sind woanders, Wintersport, Fußball... das ist auch kein Problem für mich. Ich finde es cool, wenn sich der Basketball weiterentwickelt, aber es hat keinen Stellenwert für mich, von Plakaten zu lachen", winkt Österreichs einziger NBA-Export ab.

So ist Pöltl nur einer von vielen Bausteinen, die die NBA-Rolle Europas in den letzten Jahren nach oben gehievt haben. Mit Nikola Jokic ist jetzt auch zum zweiten Mal in Folge ein Serbe zum MVP gewählt worden.

Brajkovic? Pöltl bleibt vorsichtig

Foto: © GEPA

Bekommt Pöltl in Zukunft einen "Wingman"? Luka Brajkovic ist in Sachen Rot-Weiß-Rot am nächsten dran, der 22-Jährige hat aber einen ganz anderen Status als der schon etablierte Pionier seinerseits.

So bleibt Pöltl in den Einschätzungen auch vorsichtig: "Ich bekomme sehr wenig vom College mit. Er hat das Talent dazu. Es ist kein einfacher Schritt, man braucht Glück und Vertrauen von einem Team. Ich traue es ihm zu, aber es ist nicht einfach."

Vielleicht schafft es ein Nationalteam-Auftritt Pöltls, wieder eine Spur mehr Aufmerksamkeit zu generieren. Er möchte dem Team in der anstehenden EURO-Quali nach einer rund fünfjährigen Auszeit endlich wieder helfen, Gespräche mit dem ÖBV und der NBA laufen, alle Seiten sind zuversichtlich eingestellt.

Raimann eine Randnotiz

Dass mit Bernhard Raimann quasi sein NFL-Pendant vor kurzem gedraftet wurde und den US-Sportarten in Österreich wieder einen kleinen Push geben könnte, hat Pöltl übrigens nur am Rande mitbekommen.

"Ich verfolge in den USA außerhalb der NBA sportlich alles nur am Rande. Es wäre aber interessant, einen weiteren Österreicher in den Top-Ligen aufzubauen, und würde es auch für mich zumindest interessanter machen. Im Locker Room wird darüber aber nicht geredet, ich habe auch nur die Super Bowl gesehen und kein Team, das ich verfolge."

Unterbezahlt, na und?

"Ich mache mir keine Sorgen. Die NBA ist sehr 'competitive', keine Frage. Man darf sich nie zu sicher fühlen. Aber ich kenne meinen eigenen Wert. Das habe ich im vergangenen Jahr auch bewiesen, das muss nicht bei den Spurs sein."

Pöltl muss sich ohnehin auf sich konzentrieren. Sein aktueller Dreijahres-Vertrag geht in die letzte Saison der Laufzeit. Trade-Gespräche gab es schon in diesem Frühjahr, dem Vernehmen nach war es vor allem mit den Atlanta Hawks schon sehr knapp.

Mit 8,75 Millionen US-Dollar Jahresgehalt ist Pöltl für die Spurs ein Schnäppchen. Noch. Dieser Wert muss nach oben gehen, überhaupt wenn er seine Entwicklung bestätigt. Aber Geld soll nicht die Hauptrolle spielen.

"Für mich steht die Frage, wo ich mich am wohlsten fühle und meinen Lebensstil führen kann im Vordergrund, nicht, ob ich noch ein paar Millionen mehr herauskitzeln kann", bekräftigt der Center.

Plan A sind die Spurs, aber...

Diese Faktoren dürften in Texas passen, der Kulturschock nach dem Trade aus der Weltstadt Toronto längst abgelegt sein. Auch sportlich passt die Entwicklungsrichtung, auch wenn sich die Spurs momentan im NBA-Mittelfeld befinden und natürlich ein Titel das Karriere-Ziel ist.

"Wir haben es geschafft, in diesem jungen Team eine tolle Chemie aufzubauen, wir unternehmen auch viel mehr auf eigene Faust, etwa in fremden Städten. Deswegen macht es mir wirklich Spaß und ich kann mir vorstellen, hier zu bleiben, es sind perfekte Verhältnisse", schwärmt Pöltl.

Aber Treueschwüre sind in der NBA immer relativ einzustufen. Speziell im letzten Vertragsjahr ist ein Spieler automatisch Trade-Material, wenn die Umstände passen.

"Das habe ich schon einmal erlebt, es ist nichts Neues für mich. Ich werde meinen Weg gehen", bleibt der Blick nach vorne gerichtet.

Vertragsverlängerung schon diesen Sommer?

Speziell nach der letzten Saison kann er sich das unbesorgt erlauben: "Ich mache mir keine Sorgen. Die NBA ist sehr 'competitive', keine Frage. Man darf sich nie zu sicher fühlen. Aber ich kenne meinen eigenen Wert. Das habe ich im vergangenen Jahr auch bewiesen, das muss nicht bei den Spurs sein", kommt das Selbstvertrauen hervor.

Im Idealfall sind die Verhältnisse schon diesen Sommer geklärt - mit einer vorzeitigen Vertragsverlängerung. Die Aussicht gibt es, aber Gespräche finden erst statt.

Sonst werden die Überlegungen am Ende der nächsten Saison getätigt. Noch so eine Saison und der Wert steigt weiter - und in Österreich wird auch laufend mehr Notiz genommen werden.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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