Schwimmen - mehr als bloße Abkühlung

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

Endlich wieder Sommer, endlich wieder 30 Grad und mehr!

Der schlagartige Anstieg des Thermometerstandes läutet die vielleicht schönste Jahreszeit des Kalenders ein. Das bedeutet auch: Vermehrte Suche nach Abkühlung, der Sprung ins Wasser oft als Mittel der Wahl.

Dass gleichzeitig die Lust auf anderweitige sportliche Betätigung eher sinkt, muss aber keine negative Begleiterscheinung sein. Denn Schwimmen ist auch für Laien gut als Ausgleichssport verwendbar – wenn man es richtig macht.

LAOLA1 hat zu diesem Zweck wieder mit Miriam Biritz-Wagenbichler gesprochen. Sie ist Berufsgruppenspecherin der sportwissenschaftlichen BeraterInnen in der Wirtschaftskammer Wien (hier gibt es nähere Details) und beschreibt, warum der Freibadbesuch auch optimal zur körperlichen Ertüchtigung genutzt werden kann.

Warum sollte der sportliche Aspekt im Wasser nicht vernachlässigt werden?

Das Wasser bringt als "Umfeld" mit eigentümlichen Eigenschaften geänderte Grundvoraussetzungen für alle Bewegungen mit sich. Besonders für Menschen, die sich an Land schwerer tun – etwa bei Übergewicht – ist der stärkere Auftrieb geeignet, um für Entlastung der Gelenke zu sorgen. "Auch bei vielen Knieverletzungen bringt der Wasserwiderstand ein gutes Umfeld für die verletzten Strukturen", denkt Biritz-Wagenbichler an das häufig in der Rehabilitation verwendete Element.

Sportwissenschaftlerin Miriam Biritz-Wagenbichler (Foto: mybodyworks.at)

Aber nicht nur eher unsportliche oder verletzte Menschen sollten sich nähere Gedanken über das, was sie im Wasser treiben machen, statt sich nur treiben zu lassen. "Für Leistungssportler kann ein Training im Wasser ein guter ausgleichender Reiz sein, damit das Bewegungssystem etwas andere Bedingungen erfährt und somit aus seinem 'eingefahrenen' System rauskommt", schlägt die Expertin vor.

Das kann besonders dann sinnvoll sein, wenn man ein "Plateau" der Leistungssteigerung erreicht hat. Ein geänderter Reiz kann Bedingung für weitere Fortschritte sein.

Was sind die möglichen Schwierigkeiten?

Geänderte Bedingungen heißen auch: Erhöhte Komplexität. Die Bewegungen, die man am Land völlig natürlich ausführt, bringen einen im Wasser nicht weiter – im wahrsten Sinne des Wortes. Auf den Zustand des "Schwebens" muss sich der Körper erst einstellen, was eine andere Körperlage bedingt.

Auch der Widerstand bedingt eine richtige Technik, die es – am besten schon von klein auf – zu erlernen gilt. "Es geht darum, möglichst viel Wasser auf einmal zu verdrängen. Ein leicht veränderter Aufstellwinkel der Hände oder eine falsche Beintechnik können den Wasserwiderstand nutzen – oder auch nicht", sagt Biritz-Wagenbichler.

Der dritte Punkt betrifft einen natürlichen Instinkt: Jenen, immer dafür sorgen zu wollen, genug Luft zu bekommen. "Das Überwasserhalten des Kopfes in der Höhe ist erstens nicht förderlich für die Technik und zweitens nicht sinnvoll für Wirbelsäule und Muskulatur, auch, wenn es so leichter ist, zu atmen", rät die Sportwissenschaftlerin ab. Diese Haltung fördert auch eine schlechte Lage im Wasser.

Zu guter Letzt ist besonders jenen, die es mit Sport grundsätzlich etwas ernster nehmen, von einem überhasteten Heranwagen an das Schwimmtraining abzuraten. "Speziell jene, die mit dem Gedanken spielen, einen Triathlon mitzumachen, tun sich nichts Gutes mit einer falschen Technik. Also bitte nicht erst in den letzten Zügen der Vorbereitung ein Schwimmtraining einbauen, dafür muss man sich viel Zeit nehmen – mindestens ein Jahr muss eingeplant werden, wenn man mit dem Kraulstil noch kaum Erfahrung hat", schätzt Biritz-Wagenbichler ein, während sie gleichzeitig beschwichtigt: "Geht es nur darum, ein kleines Detail in der Technik auszubessern, können ein paar Einzelstunden – etwa mit Hilfe einer sportwissenschaftlichen Beraterin oder eines Beraters – sehr hilfreich sein."


Sportwissenschaftliche Beratung näher vorgestellt:

(Text wird unterhalb fortgesetzt)


Und wie macht man es richtig?

Diese komplexe Frage ist hier zwar nicht vollständig zu beantworten, aber eins ist klar: Die beliebte Brusttechnik ist eher mit Vorsicht zu genießen! "Die Bewegung ist hochkomplex – wenn man es richtig macht. Lieber zuerst mit den Beinen das 'strampeln' üben und über Kraulbeine oder Hilfsmittel wie z.B. Brettern die richtige Körperlage einlernen", lautet der Rat der Expertin. Auch bei Bandscheibenvorfällen im Halsbereich oder Kopfschmerzsymptomatiken sollte die Brusttechnik demnach vermieden werden.

Die richtige Wasserlage ist unabdingbar, braucht aber Geduld und wird von vielen Menschen, die auf eigene Faust versuchen, das Schwimmen zu erlernen, eindeutig vernachlässigt. Am besten lassen sich Techniken natürlich noch im Kindesalter erlernen – späteres Umlernen ist schwierig und zeitaufwändig.

"Wenn man Kinder beobachtet, bemerkt man, dass die meisten gern mit Kopf unter Wasser tauchen. Das ist perfekt. Unter Wasser haben sie die richtige Wasserlage und können lernen, sich im Wasser richtig weiterzubewegen", macht Biritz-Wagenbichler die Kleinsten zum Vorbild. "Auch ein Schnorchel kann eine Möglichkeit sein, wenn man sich mit dem Atmen schwertut. Das hilft, auch die Kombination aus Arm- und Beinbewegung einzulernen, ohne sich viel auf das Atmen konzentrieren zu müssen."

Egal, ob man nun sein Kind oder doch sich selbst vorbereiten will, und egal, ob man sich für Einzeltrainings oder einen Gruppen-Schwimmkurs entscheidet – auch in der Fachgruppe der sportwissenschaftlichen BeraterInnen lassen sich für Interessierte SpezialistInnen für den Schwimmbereich finden.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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