Die neuen Kaderregeln der ICE: Freimüller erklärt

Die neuen Kaderregeln der ICE: Freimüller erklärt Foto: © GEPA
 

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Doppelstaatsbürger? Eishockey-Österreicher? Verpflichtende U24-Spieler auf dem Spielbericht? Unbegrenzte Ausländer im Kader?

Die Abschaffung der Punkteregel hat in der win2day ICE Hockey League neue Kadervorschriften notwendig gemacht, die ohne Schriftform zu wilden Spekulationen Anlass gegeben haben.

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller weiß, wie es wirklich ausschaut:

"National Players"

Diese Kategorie wurde neu eingeführt, eine unzweideutige deutsche Übersetzung (noch am ehesten: Heimische Spieler) fiele mir so schnell nicht ein. Als solche gelten jene Cracks, die für das jeweilige Nationalteam zum Saisonstart einsatzberechtigt sind. Das sind Spieler, die

  • Immer nur eine Staatsbürgerschaft besaßen (also der Großteil)
  • Doppelstaatsbürger (z.B. Hochkofler, Hartl sowie unzählige Italo-Kanadier), die für jene Nation einsatzberechtigt sind, in der ihr Klubteam spielt. Das wurde schon im Sommer 2021 beschlossen, der bloße Besitz eines Passes reicht also nicht.

In diese beiden Kategorien fallen nicht die Eishockey-Österreicher (z.B. Grafenthin, Zauner, Predan), also Spieler, die durch ihre Nachwuchstätigkeit Österreichern gleichgestellt wurden.

Sie verfügen über keinen österreichischen Pass. In Zusammenarbeit mit der Liga bestand der Verband also darauf, einen von ihm kreierten Status über Nacht wieder abzuschaffen. Das Ganze auch ohne jede Übergangsfrist, im Gegensatz etwa zur Schweiz, wo erst ab 2026 Änderungen bei den Eishockey-Schweizern in Kraft treten.

Gibt es Zweifel über die Spielberechtigung eines Spielers, muss dessen Nationalteamstatus vor der Saison bei der IIHF abgefragt werden. Das kostet dann 1.000 Euro, kann auch nur von einem Team (nicht vom Spieler selbst) beantragt werden. Dabei geht es um Doppelstaatsbürger, die etwa bereits zwei Saisonen in der jeweiligen Liga gespielt haben, danach als Inländer gelten sollten.

Sollte Peter Hochkofler, der schon seit einem Jahr gegen die Doppelstaatsbürgerregelung kämpft, nach Rückgabe seines italienischen Passes heuer in der Liga als Österreicher gelten, wäre die vor allem vom ÖEHV ausgegebene Devise "nur wer für das jeweilige Nationalteam spielberechtigt ist, gilt als Inländer" schon vor Einführung wieder gekippt.

Doppelstaatsbürger für immer festgefahren

Doppelstaatsbürger können ihre Spielberechtigung für ein Land nicht während der Saison wechseln, die 480-Tage-Regel der IIHF (von der ersten Meldung beim Landesverband bis zum möglichen ersten Turnier) wird ignoriert.

Die ICE nimmt also eine Regel in Anspruch, die eigentlich nur für Nationalteams gelten sollte, setzt gleichzeitig aber Teile davon außer Kraft. Ein Doppelstaatsbürger kann sich auch nur einmal für ein ICE-Teilnehmerland entscheiden, danach nicht mehr wechseln.

Also: Doppelstaatsbürger-Regelung so wie in der letzten Saison (die ICE sieht sich weiter als oberstes Passamt), Eishockey-Österreicher wurden in Zusammenarbeit der Liga mit dem ÖEHV heuer ausradiert.

So sollte ein Spielbericht aussehen

Unter den maximal 22 Spielern auf einem ICE-Spielbericht müssen mindestens zwei inländische Unter-24-Spieler (Stichtag: 1.1. 1999) angeführt sein. Sollten diese nicht aufzutreiben sein (etwa aus Corona-Gründen), verringert sich der Spieltags-Kader auf 21 oder 20 Spieler. In der Realität wird das aber bei keinem Team ein Problem sein.

Auf dem Spielbericht dürfen maximal zehn Spieler stehen, die keine National Player sind. Sollten keine zwölf National Player (inklusive der zwei U24-Spieler) zur Verfügung stehen, verringert sich der Spieltags-Kader dementsprechend, sie können auf keinen Fall durch Legionäre ersetzt werden.

Allerdings: Eine Verpflichtung, die beiden U24-Spieler auch tatsächlich einzusetzen, gibt es nicht, sie könnten also auch nur als Türöffner agieren. Obwohl es nicht schriftlich festgehalten wurde, behält sich die Liga aber Konsequenzen vor, wenn ein Team einen Spieler auf den Spielbericht schreibt, dieser aber nicht einmal beim Warmup das Eis betritt. Wäre aber nicht das erste Mal in der Geschichte der EBEL bzw. ICE...

Kaderregelungen

Über die Saison darf ein Team maximal 26 Über-24-Spieler registrieren, egal ob National Player oder Legionäre (die heimischen U24-Spieler sind eben ausgenommen und unbegrenzt).

(Text wird unterhalb fortgesetzt)

Mit anderen Worten: Wir sind wieder dort, wo wir vor vielen Jahren waren. Teams (so sie nicht eine Unzahl von älteren Inländern haben) können jederzeit mehr als zehn Legionäre angemeldet haben, diese etwa in den Playoffs auf die Tribüne setzen und bei Bedarf rotieren lassen.

Eine solche Regel wurde vor Jahren wieder abgeschafft, da sich nur die finanzstarken Teams so einen Luxus leisten konnten und im Gegensatz zur Konkurrenz verletzte Legionäre nicht mit Nachwuchsspielern ersetzen mussten, jetzt schließt sich der Kreis wieder.

Als Beispiel: Der KAC hat seit jeher eine große Anzahl an Inländern, egal ob jünger oder älter. Derzeit weisen die Klagenfurter zwölf Über-24-National Player auf, es wird wohl auch kaum jemand mehr dazukommen. Damit könnten sie vierzehn Legionäre anmelden (derzeit acht). So weit wird es (gerade beim KAC) nicht kommen, erwarte aber ein Legionärs-Aufrüsten einiger Teams vor den Playoffs.

Gesperrte und junge Imports

Ein gesperrter Import-Spieler verbraucht einen Platz auf den Spielbericht, kann nur mit einem National Player ersetzt werden. Die Trading Deadline für Import-Spieler innerhalb der ICE endet weiter mit 30. Dezember.

Neu auch im Gegensatz zur Punkteregel: Ein Import (oder "Non-National-Player") ist ein Import, egal ob er 18 oder 38 Jahre alt ist. In den letzten Jahren lagen U24-Imports punktemäßig noch etwas günstiger. Die Pioneers Vorarlberg haben mit ihren unzähligen College-Spielern in dieser Beziehung also keinen Vorteil.

Keine Abmeldungen mehr/Spielerleihen

Es gibt im Gegensatz zur Punkteregelung keine Spielerabmeldungen mehr, wer einmal gespielt hat, gehört zum Kader der 26 gemeldeten Spieler, selbst wenn er innerhalb oder außerhalb der Liga wechselt. Eine Parallele zur DEL, wo auch nur eine Maximalanzahl von Lizenzen pro Saison ausgestellt werden kann.

Sollte ein Team etwa aus Krankheitsgründen zusätzliche Spieler brauchen, können diese aus unteren Ligen (vor allem AlpsHL) geliehen werden. Dabei gilt:

U24-Spieler können ohne jegliche Auflagen ausgeborgt werden. Ältere Spieler können bis zu fünf Spiele in der ICE spielen, ohne die 26-Mann-Regel zu belasten. Beides gilt aber nur für National Players, also nicht für Legionäre. Natürlich können diese auch nach oben wechseln (etwa bei Salzburg mit den deutschen Cracks im AlpsHL-Team sicher ein Thema). Diese belasten aber schon mit dem ersten Spiel das 26-Mann-Kontingent.

Die österreichischen ICE-Teams müssen verpflichtend mit jeweils einem AlpsHL-Team (oder darunter) ein Kooperationsabkommen haben und können dann von diesen Teams mittels B-Lizenzen Spieler formallos anfordern. Bei den ausländischen Teams gibt es andere Regeln, in Italien ist angeblich eine Kooperation nur mit einem einzigen Verein verboten. Die ausländischen Teams können also im Eventualfall auf Cracks mehrerer Teams zurückgreifen.

Vieles neu also in diesem Sommer, vor allem die Eliminierung der Eishockey-Österreicher. Die neuen Regeln sollten im Vergleich zur abgeschafften Punkteregelung leichter zu handeln sein. Ob sie irgendwelche Vorteile für das österreichische Eishockey bringen, bleibt abzuwarten...

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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