Kombi-Pleite: Stecher kündigt Aufarbeitung an

Kombi-Pleite: Stecher kündigt Aufarbeitung an Foto: © GEPA
 

Mit Ambitionen auf Gold sind Österreichs Kombinierer in den olympischen Teambewerb gestartet, mit gänzlich leeren Händen sind wie wieder abgezogen.

So überraschend und erfreulich zum Auftakt die Bronzemedaille von Lukas Greiderer im Normalschanzen-Bewerb gewesen ist, so enttäuschend war der Showdown. Die Pflichtmedaille, wie es von Chefcoach Christoph Eugen betitelt worden ist, wurde gemacht, die Kür blieb aber aus.

"Mit dem Medaillenspektrum haben wir das Soll erfüllt. Aber dass wir in der Mannschaft keine Medaille machen, ist sehr, sehr bitter und muss definitiv aufgearbeitet werden", ließ Mario Stecher am Donnerstag unmittelbar nach der "Blech"-Leistung erkennen, dass nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen werde. Bei den Skispringern hat es mit Gold geklappt, aber auch in der Kombination arbeite man darauf hin, irgendwann wieder eine Goldmedaille zu holen.

Stecher, Sportlicher Leiter im ÖSV, musste jedoch eingestehen, dass die dominierenden Nationen aktuell kaum zu biegen sind. "Da muss alles passen, dass man mit Norwegen und Deutschland mithalten bzw. sie schlagen kann." Diese waren wieder nicht zu knacken, obwohl bei den Norskern Jarl Magnus Riiber nicht dabei war und den Deutschen mit Terence Weber ein Saisonsieger gefehlt hat sowie Eric Frenzel corona-bedingt angeschlagen war.

Dass man auch Japan ziehen lassen musste, machte der 44-jährige Stecher stark an Schlussläufer Martin Fritz fest. "Wir haben eigentlich geglaubt, dass wir mit Martin einen recht ausgeglichenen Athleten haben. Auf der Schanze hat er es eigentlich bravourös gemacht. Das war fast überraschend, dass er es so gut macht. Und da hätten wir uns mehr erwartet, aber das passiert. Jetzt haben wir eine Medaille. Das ist das Mindestmaß, das wir erhofft haben."

Eugen: "In der Aufstellung ist kein großer Fehler zu sehen"

Für Eugen liegt der Aufholbedarf klar im Langlauf, da fehle es an der Coolness. "Wenn man die Laufzeiten sieht, können sie ja gut laufen", urteilte der Trainer über seine Schützlinge. "Da gilt es aber künftig, mit Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen in die Loipe zu gehen, dass sie ihr Zeug machen und marschieren, marschieren, marschieren." Fritz hatte vielmehr den Deutschen Vinzenz Geiger heranlassen und dann im "Steher-Rennen" mitgespielt.

Die Bilanz Eugens fiel letztlich zwiegespalten aus. "Die Chance mit der Mannschaft war sehr gut. Wir sind im ersten Moment bitter enttäuscht. Es ist wichtig, dass wir die Athleten richtig aufbauen, es gut analysieren und nachwirken lassen. Ich glaube, in der Aufstellung ist kein großer Fehler zu sehen. Es war einfach die Leistung von Martin hinten raus nicht so, dass er mitsprinten kann." Sehr erfreulich sei hingegen Bronze von Greiderer gewesen.

Lamparter: "Nehme nicht viel Positives mit"

Doppel-Weltmeister Johannes Lamparter geht aus diesen Spielen mit zwei vierten Plätzen und einem sechsten Rang heraus, er war wegen Riibers Corona-Problemen hoch eingeschätzt worden.

"Er hat sicher sehr viel Druck verspürt, auch von medialer Seite her", sagte Eugen. Man dürfe dem 20-Jährigen auch nicht seine zwei WM-Titel vom Vorjahr als Maßstab setzen. "Er ist da gekommen wie Phoenix aus der heißen Asche. Dass es so weiter geht, kann man nicht erwarten", erläuterte Eugen.

Die Enttäuschung war Lamparter freilich anzumerken: "Im Moment nehme ich nicht viel Positives mit. Es schmerzt, aber es geht weiter." Mit der Verteidigung der Weltcup-Führung hat der Tiroler tatsächlich gleich eine weitere große Aufgabe vor sich, fünf Bewerbe vor Schluss liegt er 147 Punkte vor Riiber in Front. "Ich fühle mich gut und werde alles geben und so lange strecken wie möglich. Ich werde fighten bis zum bitteren Ende", versprach der Rumer.

Der Weltcup wird am Samstag nächster Woche in Lahti gleich mit einer Team-Revanche fortgesetzt. Es folgt da ein Einzel sowie an den beiden folgenden Wochenenden je zwei Einzel in Oslo und Schonach. Eugen: "Johannes ist Profi genug, dass er das (Olympia) abhaken wird. Riiber wird aber alles versuchen, sich das Gelbe Trikot wieder zu schnappen. Das wird sicher noch interessant." Das glaubt auch Stecher: "Riiber wird stark wieder zurückkommen."

Außenseiterchancen hat noch Geiger, Jörgen Graabak hingegen liegt als Vierter zu weit zurück. Der Norweger ist aber mit viermal Gold nun erfolgreichster Olympia-Kombinierer. Einen Sieg verbuchte auch Franz Josef Rehrl, nämlich über sich. Der Steirer kam von einem Kreuzbandriss und auf die Plätze neun, elf und vier. "Mir taugt es voll, ich bin mit meiner Leistung sehr zufrieden" sagte der 28-Jährige. "Vor sechs Monaten war ich noch Reha-Patient."

Textquelle: © LAOLA1.at/APA Zum Seitenanfang »

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