Streit um Olympia-Quoten: "Wäre riesiger Skandal"

Streit um Olympia-Quoten: Foto: © GEPA
 

Nach Kitzbühel ist vor Olympia.

Die Hahnenkamm-Rennen waren für die Speed-Herren die letzten Weltcup-Rennen, bevor am 28. Jänner das Flugzeug Richtung Peking abhebt.

Wie viele ÖSV-Alpin-Herren letztlich die Reise nach China antreten werden, ist zwölf Tage vor der Eröffnungsfeier noch offen.

Im Ringen um die Quoten-Plätze soll erst am Montag eine Entscheidung darüber fallen, ob im Aufgebot des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC) doch elf statt der laut Quote zugestandenen neun Alpinski-Männer stehen werden. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit, denn am Montag muss das ÖOC sein finales Olympiateam bekanntgeben.

Bis zum Erscheinen der letzten FIS-Punkteliste lag der ÖSV noch bei einer Quote von je elf Frauen und Männern, danach nur noch bei 11:9. Ursache dafür sind Rennen wie jene im Rahmen des "Malbun Exotic Nations Cup" in Liechtenstein Mitte Jänner. Dort fanden nationale Meisterschaften und nationale Junioren-Meisterschaften der Kapverden und von Jamaika statt. Der Ausgang der Rennen, so der Verdacht, habe die Quotenplatz-Vergabe maßgeblich beeinflusst, Österreichs Männer verloren zwei. Zu den Hintergründen >>>

Der ÖSV und andere Nationen wie Italien oder Frankreich warten nun darauf, ob das IOC den Vorschlag, nicht genützte Quotenplätze aus anderen Sportarten zu den Alpinen zu transferieren, zustimmt. Ansonsten verlangt man die Annullierung fragwürdiger Rennen. Wird dem Vorschlag, die elf ungenützten Quotenplätze aus anderen FIS-Sportarten an die Alpinen zu geben, vom Internationalen Olympischen Komitee nachgekommen, wäre laut ÖSV-Sportchef Toni Giger das Problem aufs Erste halbwegs gelöst.

Leitungen zwischen ÖSV, FIS und IOC laufen heiß

Wird hingegen keine Lösung gefunden, muss sich Österreich wohl mit neun Startplätzen bei den Männern zufriedengeben müssen.

Die Causa sorgte das komplette Kitzbühel-Wochenende über für Störgeräusche, die Leitungen zwischen ÖSV und FIS sowie FIS und IOC liefen heiß. Das Thema beschäftigt freilich auch die Athleten, vor allem jene, die noch um ihre Olympia-Teilnahme zittern müssen.

"Neun Startplätze für ein österreichisches Herren-Team wären in meinen Augen ein riesiger Skandal. Ich hoffe, dass sich noch eine andere Lösung findet", sagt etwa Otmar Striedinger. Der Kärntner könnte trotz eines zweiten Platzes bei der Abfahrt in Gröden eventuell noch zum Wackelkandiaten werden, sollte die Quote bei neun Plätzen bleiben.

Matthias Mayer und Vincent Kriechmayr sind in beiden Speed-Disziplinen gesetzt. In der Abfahrt wären für die übrigen beiden Startplätze Striedinger (Zweiter in Gröden) und Daniel Hemetsberger (Dritter in Kitzbühel, 2x Vierter) die ersten Anwärter. Im Super-G kommt wohl Raphael Haaser nach seinem zweiten Platz in Wengen zum Zug, Max Franz wäre eine zusätzliche Option.

Im Riesentorlauf sind neben Medaillen-Kandidat Manuel Feller wohl der WM-Dritte Marco Schwarz und Haaser gesetzt, da beide ohnehin bereits im Aufgebot stehen werden. Um den vierten Platz matchen sich Patrick Feurstein (Vierter in Alta Badia) und Stefan Brennsteiner, der trotz durchwachsener Saison Podest-Potenzial hat. Gut möglich, dass bei einer Neuner-Quote kein reiner Riesentorlauf-Spezialist mitgenommen wird.

Auch im Slalom hat Feller sein Fix-Ticket für Peking, ebenso wie Vorjahres-Kugelgewinner Marco Schwarz und Adelboden-Sensationssieger Johannes Strolz. Um den vierten Startplatz rittern Fabio Gstrein und Michael Matt, die jeweils einen vierten Platz als bestes Saisonergebnis vorweisen können.

Mayer im RTL? "Wenn es hart auf hart kommt"

Beim ÖSV spielt man seit Tagen bereits alle möglichen Varianten durch – mit neun, zehn oder elf Plätzen.

"Für den Skiverband ist es blöd, für mich ist es eigentlich egal, ich bin – glaube ich – in meinen Kerndisziplinen eh dabei", sagt Matthias Mayer nach zwei vierten Plätzen in Kitzbühel offen.

Der Doppel-Olympiasieger hat aber auch seine Riesentorlauf-Ski mit im Gepäck für China. "Direkt einplanen tue ich den RTL nicht, aber ich habe meine Sachen mit und werde vor Ort auch 'Riesen' trainieren. Wenn es hart auf hart kommt, dann muss ich meinen Heimflug verschieben", will Mayer einen Einsatz im olympischen Riesentorlauf nicht ganz ausschließen.

Kriechmayr will, dass "bei Olympia die besten Leute am Start sind"

Vincent Kriechmayr muss sich ebenfalls keine Sorgen um seinen Olympia-Start machen, stimmt aber in die allgemeine Kritik an der Quotenregelung mit ein.

"Weil es viele Athleten betrifft, die vielleicht Medaillenchancen haben. Man sollte grundsätzlich schon schauen, dass man bei Olympia die besten Leute am Start hat. Wenn da einer fehlt, der vielleicht vorne mitkämpfen kann, dann ist das alles andere als optimal."

Der Doppel-Weltmeister meint außerdem vielsagend – und wohl im Sinne einiger Akteure: "Alles was das IOC betrifft, hinterfrage ich nicht mehr. Alle Entscheidungen kann man nicht nachvollziehen."

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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